Peter Thiel ist Techmilliardär, Paypal-Gründer, JD-Vance-Förderer und derzeit für Europa das, was Regisseur Werner Herzog einmal über Klaus Kinski sagte: "Mein liebster Feind." Und jetzt bekommt er auch noch den Axel-Springer-Preis 2026 – wenig überraschend, wenn man sich die Silicon-Valley-Obsession von Verlagschef Döpfner in den vergangenen Jahren anschaut.
Aber warum lässt sich die europäische Kultur, die sich gerne als Wiege der Aufklärung feiert, von einem US-Milliardär derart vorführen, also am Nasenring durch die Manege ziehen? Thiel bietet alles, was der europäische Angstlust-Patient braucht: Er ist rechts, hasst die Demokratie und vor allem – er ist in dem, was er sagt, so herrlich düster. Und das lieben wir in Old Europe, dem Kontinent der untergehenden Sonne: Wenn da einer kommt, der raunend und geheimnisvoll palavert, dann werden wir zu Geblendeten, die dem Voodoozauber erliegen und ihn größer machen, als er ist.
Statt sich auseinanderzusetzen, wählt man lieber ebenso düstere, nichtssagende Youtube-Thumbnail-Superlative wie "der gefährlichste Mann der Welt". Die Aura sagt mehr über die, die sie verleihen, als über den, dem sie unterstellt wird.
Das Verhältnis der Öffentlichkeit zu Thiel ist eines der Angstlust, wie es der Psychologe Borwin Bandelow einmal formuliert hat. Man ist voller Angst vor dem lautstarken Apokalyptiker, zugleich aber bereitet die Stimmung, die er verbreitet, auch ein Fieber. Peter Thiel ist wie der berüchtigte Autounfall: Man will ihn nicht sehen, aber weggucken ist auch keine Option.
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