Diese Nachricht macht wütend: In Cottbus sollen Rechtsextreme in der vergangenen Woche vor der Wohnungstür eines Pfarrers randaliert haben. Der Staatsschutz ermittelt. Der Pfarrer ist Sprecher einer Initiative, die nach eigenen Angaben der "Dominanz extrem rechter Gruppierungen in der Region" ein solidarisches Miteinander entgegensetzen möchte.
Christian Stäblein, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), hat die Tat scharf verurteilt. "Stark und leidenschaftlich engagiert sich unser Pfarrer mit seiner christlichen Haltung für die Rechte der Menschen in Brandenburg und für die Liebe Gottes, die allen gilt. Gewalt gegen ihn und alle Menschen, die zu ihm gehören, treten wir klar und entschieden entgegen, ebenso allen Drohungen und Einschüchterungsversuchen", teilte die EKBO mit.
Die Worte sind wichtig, denn in Deutschland schaffen Worte von Rechtsaußen einen Nährboden, auf dem Kirchenfeindlichkeit gedeiht. Und diese Wut ist gefährlich, wie man nun in Cottbus sieht. Auf Worte folgen Taten. Aktuelles Beispiel ist das Landeswahlprogramm, das die AfD in Sachsen-Anhalt vor kurzem auf einem Parteitag beschlossen hat. Darin werden die beiden christlichen Kirchen als "Kirchensteuerkirchen" verunglimpft; gleichzeitig bekennt sich die AfD - in Sachsen-Anhalt wie auch in Brandenburg von den Landesverfassungsschützern als gesichert extremistisch eingestuft - auf dem Papier zum Christentum. Allerdings nur, um sich gegen alles abzugrenzen, was den Rechtsextremen und Nationalisten als "nicht deutsch" erscheint.
Diese Rhetorik erklärt auch, warum sich Kirchenleute Drohungen ausgesetzt sehen. Denn das Christentum vertritt ein Menschenbild, nach dem wir alle eine Würde haben - egal, woher wir kommen, an wen wir glauben und wen wir lieben. Diese Idee ist sehr mächtig. Immer noch. Zwar sinkt die Zahl der Kirchenmitglieder bundesweit – im Osten ist die Säkularisierung besonders weit fortgeschritten. Doch gerade deshalb haben Kirchen dort, wo sie noch präsent sind, eine wichtige Funktion. In Regionen, in denen die AfD eine Art Alltagshegemonie erreicht hat und in denen sich Andersdenkende allein kaum zu widersprechen trauen, sind sie Mitglied in Bündnissen für Demokratie und Toleranz, stellen Räume und organisieren Veranstaltungen, bringen Menschen zusammen, die sonst kaum zusammenfinden würden.
Der Übergriff in Cottbus muss ein Weckruf sein, nicht nur im Osten. Denn auch im Westen erreicht die AfD hohe Zustimmungswerte; laut jüngsten Umfragen steht sie bundesweit vor der Union. Somit haben Pfarrerinnen und Pfarrer, Christinnen und Christen, die sich extremistischen Ideen entgegenstellen, unser aller Solidarität verdient. Sie lassen sich ihre christliche Überzeugung nicht nationalistisch umdeuten als kulturelles Erbe eines vermeintlich überlegenen Abendlandes – sondern sie stehen dafür ein, dass die Menschenwürde unteilbar ist. Und genau deshalb sind sie den Rechtsextremen ein Dorn im Auge.


