Justiz und Vergebung
Warum Gefängnisseelsorge wichtiger wird
Der Strafvollzug gerät zunehmend unter Druck: Gefängnisse werden voller, der Alltag härter. Pfarrerin Susanne Büttner erklärt, was Seelsorge dabei leisten kann
Ein Vogel fliegt über Stacheldraht, der über einem Maschendrahtzaun gespannt ist. Der Himmel ist orange.
Seelsorge im Gefängnis will Räume eröffnen, in denen Schuld, Hoffnung und Neuanfang überhaupt zur Sprache kommen können
ThomasShanahan / Getty Images
Aktualisiert am 28.07.2026
6Min

chrismon: Frau Büttner, Sie arbeiten als Seelsorgerin in der Justizvollzugsanstalt Schwäbisch Gmünd. Was sagt der christliche Glaube über Schuld, Strafe und Vergebung – und wie passt das zu einem System des Freiheitsentzugs?

Susanne Büttner: In einem so stark reglementierten System wie dem Gefängnis hat Seelsorge die Aufgabe, Vergebung von Schuld zu verkündigen. Das Evangelium sagt: Auch wenn ihr schuldig geworden seid, ist euch Freiheit in Christus zugesagt. Das ist relevant für Gefangene, die Enge und Zwang erfahren. Seelsorge schafft Räume, in denen Freiheit spürbar wird.

Kann ein Gefängnis ein Ort von Umkehr und Neuanfang sein – oder bleibt das eine fromme Hoffnung?

Hoffnung ist wichtig, weil sie von der Zukunft her denkt. Wenn man sich am Reich Gottes orientiert, sagt Christus, dann ist es bereits unter uns. So sehe ich das auch für das Gefängnis. Andererseits zeigen Studien, dass über 80 Prozent der Inhaftierten das Gefängnis verlassen, ohne sich mit Reue oder Umkehr befasst zu haben.

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Gefängnisseelsorge in Deutschland

In größeren Justizvollzugsanstalten gehört Gefängnisseelsorge zum festen Bestandteil des Vollzugs. In sogenannten Hauptanstalten gibt es in der Regel jeweils eine evangelische und eine katholische Seelsorgestelle. Auch muslimische Seelsorge hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend etabliert, wenn auch je nach Bundesland unterschiedlich organisiert.

In Anstalten mit mehr als 100 Inhaftierten wird Gefängnisseelsorge hauptamtlich ausgeübt. In kleineren Einrichtungen übernehmen Pfarrerinnen oder Pfarrer aus der umliegenden Kirchengemeinde diese Aufgabe zusätzlich zu ihrer Gemeindearbeit. Dabei handelt es sich nicht um ein Ehrenamt, sondern um ein offizielles Zusatzamt im kirchlichen Dienstauftrag.

Wie stark die Angebote genutzt werden, lässt sich nur bedingt in festen Zahlen messen, da seelsorgerliche Kontakte sehr unterschiedlich aussehen können – von kurzen Gesprächen im Alltag bis hin zu regelmäßiger Begleitung. Nach Erfahrungen aus einer mittelgroßen Anstalt wie der JVA Schwäbisch Gmünd mit rund 380 Inhaftierten steht die Seelsorge mit etwa der Hälfte der Gefangenen regelmäßig im direkten Kontakt. Rund ein Drittel besuchen Gottesdienste, etwa ein Fünftel nehmen regelmäßig an Gesprächen oder Gruppenangeboten teil.

Dieser Text erschien erstmals am
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