In den Niederlanden können Menschen in diesem Sommer an Hunderten Orten kostenlos Sonnencreme erhalten
IMAGO/Manngold
"Gute Idee!": Beobachtungen im Urlaub
Das läuft im Ausland besser als bei uns
Kostenlose Sonnenmilch in den Niederlanden, innovativer Nahverkehr in Israel und stressfreies Autofahren in Mexiko: Im Ausland vergleicht man gerne Fremdes mit Vertrautem. Was chrismon-Autor*innen auf ihren Reisen beobachtet haben
Tim Wegner
Aktualisiert am 10.06.2024
6Min

Sonnenmilch am Strand (Niederlande)

Ich wundere mich schon, wenn ich in Holland im Meer bade: Da liegen – holländische wie deutsche – Touristinnen am weitläufigen Strand in der prallen Mittagssonne, als hätten sie noch nie was gehört von schwarzem Hautkrebs. Man möchte echt nicht Gesundheitsministerin sein im Hochsommer, ich würde ja verzweifeln.

Aber zumindest eine Ausrede gilt in Domburg nicht mehr: "Ich habe meine Sonnenmilch vergessen." Denn überall am Strand stehen blaue Spender, ähnlich wie unter Corona die Desinfektionsspender. Darin Sonnenmilch mit Schutzfaktor 50. "Steek hier je hand in", steck hier deine Hand rein, und schon gibt’s eine Handvoll weiße Creme. Gratis. Dass man auch mit Sonnenmilch nicht ewig in die pralle Sonne gehen soll, ist ja hoffentlich klar. Da hilft dann wirklich nur: Kopf einschalten. Das kann einem auch der Staat nicht abnehmen.

Ursula Ott

Mobil im Alter - völlig gratis (Polen)

Wie machen die das nur? So viele ältere Menschen, die sich zu Tagesausflügen in Zügen, Straßenbahnen und Bussen treffen, habe ich selten gesehen. Wo Seniorinnen und Senioren in Deutschland eher bei organisierten Kaffeefahrten und überteuerten Tagesreisen auf Entdeckungstour gehen, sind die Nachbarn in Polen im Alter deutlich mobiler. Viele Städte und Regionen ermöglichen polnischen Rentnerinnen und Rentnern die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs kostenlos!

Lesen Sie hier: Die Mobilitätsexpertin will, dass alle klimafreundlich unterwegs sein können - und wird bedroht

Eine generelle Regel dafür gibt es allerdings nicht, da der ÖPNV nicht landesweit organisiert ist; daher variiert auch das Alter, ab wann die Gratisfahrten gelten, je nach Wohnort. In Warschau, Krakau, Danzig und Kattowitz zum Beispiel fahren Senior*innen ab 70 Jahren unentgeltlich, in Bydgoszcz, Lublin und Breslau bereits ab 65. Für Menschen, die ohnehin mit einer kleinen Rente auskommen müssen und von der galoppierenden Inflation im Land besonders stark betroffen sind, ist die kostenlose Mobilität ein großes Stück wiedergewonnener Freiheit.

Marta Thor

Unkomplizierter Nahverkehr (Israel)

Früh buchen half auch nichts. Mein Bahnticket von Hamburg nach Frankfurt kostete mehr als ein Ticket mit dem Flugzeug. Am Hauptbahnhof angekommen, ärgerte ich mich als Nächstes über den Busfahrer und die Automaten, die beide keine Kartenzahlung akzeptierten und mir viel Papier in die Hand drückten.

Obwohl Tel Aviv kürzlich zur teuersten Stadt der Welt gekürt wurde und viele Israelis finanziell kaum ihren Alltag stemmen können, fährt es sich im öffentlichen Nahverkehr ziemlich günstig und digital. Tickets und die Bezahlung gehen nur über die App oder die Chipkarte Rav-Kav.

Für wenige Schekel kann man mit dem Regionalbus quer durchs Land fahren, so dass viele Israelis ihre Autos lieber gleich stehen lassen, wenn sie in den Urlaubsort Eilat fahren oder aus dem Norden runter in die Städte Jerusalem oder Tel Aviv.

Verspätungen gibt’s selten, was unter anderem an dem rasanten Fahrstil der Busfahrer liegt. Auf individuellen Wunsch wird sogar auf jeder Strecke gehalten, während man hier im Stau frustriert auf die wenigen Meter zur nächsten Haltestelle wartet, bis sich die Türen dann endlich öffnen dürfen.

Marie Kröger

Achtsamer Straßenverkehr (Mexiko)

Das Abenteuer ruft: Kaum am Urlaubsziel angelangt, möchte ich am liebsten auf eigene Faust losziehen und erkunden, was die Gegend zu bieten hat. Mancherorts eignet sich dafür der öffentliche Nahverkehr. In Tulum im mexikanischen Bundesstaat Quintana Roo ist das nicht der Fall. Busverbindung verlaufen hier vor allem entlang der karibischen Küste, Richtung Cancún im Norden und Chetumal im Süden. Ohne Mietwagen ist man schnell aufgeschmissen, denn viele beliebte Touristenziele wie die alten Mayaruinen oder zum Baden einladende unterirdische Cenotes befinden sich tief im Dschungel im Inland.

Lesen Sie hier: Wie eine Verkehrswende für Autos, Radfahrer und Fußgänger gelingen kann

Doch wer nun glaubt, das Umland von Tulum mit dem Auto zu bereisen sei eine stressige Angelegenheit, der irrt gewaltig. Vorab: Autofahren in Mexiko ist gefährlich, zumindest im landesweiten Vergleich mit Deutschland. Etwa dreimal mehr tödliche Unfälle ereignen sich auf Mexikos Straßen pro 100.000 Einwohner als bei uns. Doch im sichersten Bundesstaat Mexikos ticken die Uhren ein wenig anders.

Ampeln gibt es hier selten und trotzdem fließt der Verkehr auch an großen Straßenknoten so flüssig wie eben möglich. Die Menschen achten aufeinander, man lässt sich abwechselnd passieren und einscheren. Auch ohne strikte Vorfahrtsregelungen sieht man das deutsche Reißverschlussverfahren par excellence. Die vielen schweren Lkw bremsen auf vierspurigen Bundesstraßen ab, um kleine Pkw queren zu lassen. All das geschieht zeitgleich, reibungslos und in einem so gediegenen Tempo, dass es manchmal wie eine getaktete Choreografie erscheint. "Road Rage" kommt hier nicht vor. Zugegeben: Dazu trägt bestimmt auch die starke Präsenz der Polizei-Jeeps und mit Soldaten beladenen Militärtransportern bei. In Tulum drängte sich mir der Gedanke auf: So manch ein deutscher Autofahrer kann auf Quintana Roos Straßen eine Menge lernen.

Tobias Müller

Badehosen-Cops (Österreich)

Als in Berlin mehrere Freibäder Alarm schlugen, weil es zu Randale gekommen war, saß ich gerade am schönen Traunsee in Österreich und las die Zeitung. Großes Thema! Randale in deutschen Bädern! Unvorstellbar an unserem friedlichen Salzkammergutsee. Aber sehr wohl ein Thema in der österreichischen Hauptstadt. Auch in Wien, las ich in der Zeitung, gebe es "Burschen, denen bei der Hitze die Sicherungen durchbrennen".

Dann greift in Wien ein genialer Trick: In Wiener Bädern dürfen Polizisten ohne Eintritt in die Bäder, müssen sich aber an der Kasse mit ihrer Dienstnummer registrieren lassen. Wenn es Probleme gibt, werden sie mit einem Code ausgerufen und unterstützen die Bademeister.

In vielen deutschen Bädern wird inzwischen für viel Geld private Security engagiert. Dabei geht’s doch viel günstiger: Her mit den Badehosen-Cops!

Ursula Ott

Feuerholz und Sägebock (Finnland)

Die Finnen sind laut einer Umfrage die glücklichsten Menschen auf der Welt. Ein Stück des Geheimnisses liegt vielleicht im bereitgestellten Feuerholz an Grillplätzen zauberhafter Waldseen und vor kostenlosen Saunen kleiner Felseninseln im Meer. Das einzige, was man dafür tun muss: das Holz sägen und spalten. Axt, Säge und Holzbock stellt der fürsorgliche Staat ebenfalls bereit. So kommt niemand auf die dumme Idee, in der Umgebung junge Bäume zu fällen, um dann mit dem viel zu feuchtem Holz mehr Qualm als Feuer zu produzieren.

Katharina Müller-Güldenmeister

Papiertüten für den Hund (Tschechien)

2023 war ich für zehn Tage im Kurlaub im Dreibädereck in Tschechien.
Jeden Tag lange Spaziergänge durch die gepflegten Parkanlagen inklusive.

Angenehm aufgefallen ist mir, dass die Hinterlassenschaften von Hunden dort in Papiertüten entsorgt werden. Die werden überall kostenlos zur Verfügung gestellt. Sie sind blickdicht, ökologischer und fallen nicht so auf. In Deutschland, Ekelalarm, quellen die "Rest"-Mülleimer über mit kleinen Plastikbeuteln.

Um viele Parkbänke mache ich hier einen Bogen.

Caterina Pohl-Heuser

Billig parken (Niederlande)

In Amsterdam gibt es Grachten und Gouda. Und Coffeeshops, in denen kaum Kaffee verkauft wird. Und dort fährt man Rad. Das ist bekannt. Und auch gewollt so. Deshalb gibt es in der Innenstadt zum Beispiel riesige Fahrradparkhäuser – aber kaum Parkplätze für Autos. Und wenn, dann kosten die ein Vermögen: je nach Ort zwischen 45 und 120 Euro pro Tag!

Was aber tun, wenn man mit der Familie im Auto gekommen ist? Das Hotel liegt neben dem Johan-Cruyff-Stadion, ein ganzes Stück außerhalb. Dafür gibt es unter dem Stadion ein Parkhaus. Aber auch hier: die Preise …

Da kommt der rettende Hinweis: Mit einer Karte für den Amsterdamer ÖPNV lässt sich am Kassenautomat im Parkhaus ein kleines Wunder bewerkstelligen: Lässt man sie einlesen, bevor man den Bezahlvorgang startet, reduziert sich - Abrakadabra - die Parkgebühr für vier Tage von einem dreistelligen Betrag auf gerade mal vier Euro!

Liebe deutsche Kommunen: So geht echtes Park-and-Ride! Nur Fahrradfahren ist noch besser…

Claudius Grigat

Monatshygiene für alle (Österreich)

An vielen deutschen Unis und in immer mehr Kneipen gibt es sie schon: Tampons und Binden umsonst. Aber noch ist das in Deutschland good will, kein Recht. Und man weiß längst – eine Studie von Plan International bestätigt das - "Periodenarmut" führt dazu, dass Mädchen und Frauen mit wenig Geld viel zu selten Tampons und Binden wechseln und damit Infektionen riskieren. Zur Info: 50 Tampons kosten rund vier Euro, es kommen im Laufe eines Frauenlebens mehrere Tausend Euro zusammen.

In Wien und im Burgenland haben die Landesregierungen jetzt entschieden: Die Artikel werden kostenlos abgegeben an Frauen aus "ökonomisch schwachen Haushalten". Im Burgenland können die Frauen sich die Artikel in Frauenberatungsstellen abholen, in Wien im Drogeriemarkt. Aber hierzulande wird ja erst mal über den Mehrwertsteuersatz für Tampons diskutiert. Ich finde: Menstruation ist ohnehin oft mit Last und Schmerzen verbunden. Wenigstens beim Geld lässt sich doch leicht helfen.

Ursula Ott

Hinweis: Dieser Text erschien erstmals am 06.10.2023.