Impfen, Klimakleber, Einwanderung - noch nie gab es so viel Zündstoff zur Diskussion wie jetzt
Stolperfalle auf Feiern: Sinnieren über Weltrettung beim Kaltgetränk
Kati Szilagyi
Diskussionskultur
Warum so eine Schärfe?
Wer auf Feiern über Politisches spricht, gerät schnell in hitzige Debatten. Wie man besser miteinander diskutiert, weiß Pfarrerin Stefanie Schardien
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Aktualisiert am 24.03.2026
2Min

Bernd J. aus Stuttgart fragt:

Gemeinsam mit vier Familien aus der Nachbarschaft feiern wir oft. Dabei reden wir auch über politische Themen. Einer der Nachbarn vertritt vehement die Meinung, die Ukraine müsse den Krieg gewinnen. Wenn ich auch nur nachfrage, wie er sich das konkret vorstellt, wirft er mir vor, ‚Putinversteher‘ zu sein. Der Rest schweigt. Das setzt mir zu. Was kann ich tun?

Stefanie Schardien antwortet:

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Stefanie Schardien

Dr. Stefanie Schardien, geboren 1976, ist Theologin und seit 2024 Theologische Geschäftsführerin des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik.

Wie haben wir das eigentlich früher mit solchen Themen gemacht? Vielleicht haben Sie sich auf Ihren Feiern auch schon wie ich diese Frage gestellt. Es hat ja nie an Kontroversen gemangelt, doch neuerdings entwickelt sich schier jede Meinungsverschiedenheit zum Bekenntnisfall. Impfen, Klimakleber, Einwanderung – Für und Wider prallen in einer Schärfe aufeinander, als gäbe es kein Morgen. Darum ist Ihr Nachfragen­ ein guter Weg. So holen Sie die Kommunikation aus dem reinen ­"Dagegen" heraus.

Machen Sie klar: Wenn wir miteinander disku­tieren, dann auch, um die je eigene Meinung zu überprüfen, ja womöglich – was für eine verwegene Idee – gar zu revidieren. Heraus könnte kommen, dass Sie beim Krieg gar nicht so weit auseinanderliegen.

Meinem Eindruck nach diskutieren Sie nämlich auf unterschiedlichen Ebenen: Sie pragmatisch über Zukunftsszenarien, Ihr Nachbar moralisch über Gerechtigkeit. Bevor Sie das klären, hätte ich aber noch eine Idee. Nehmen wir an, der Krieg bewegt Sie alle wirklich, also – verzeihen Sie mir die Spitze – jenseits des Sinnierens über Weltrettung beim Kaltgetränk im Garten: Wie wäre es, die gemeinsame Energie weniger in solche Schlagabtausche zu ­stecken als in eine nachbarschaftliche Initiative für Geflüchtete in Ihrer Nachbarschaft?

Infobox

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Schardien: "Meinem Eindruck nach diskutieren Sie nämlich auf unterschiedlichen Ebenen: Sie pragmatisch über Zukunftsszenarien, Ihr Nachbar moralisch über Gerechtigkeit."

Krieg hat nie etwas mit Gerechtigkeit zu tun, Krieg ist die Fortsetzung des nun "freiheitlichen" Wettbewerbs um die menschenUNwürdige Deutungshoheit des falschen Zusammenlebens / der falschen Kommunikation!!!

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Wer fragt, KRIEGT meist dumme oder keine Antwort(en)!

Mein Tipp zur Erwiderung an Bernd J.: Dann hat der Kolonialismus der Globalisierung der "Dienstleistungsgesellschaft" noch einmal mehr Glück als Verstand gehabt, denn eigentlich ist dieser wahnsinnige Krieg nicht zu gewinnen.

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Die UKRAINE muss unbedingt gewinnen? Schön wäre es. Und wenn nicht? Hat dann Putin den Krieg gewonnen? Auf keinen Fall! Denn die Nachteile eines Sieges können nie bezahlt werden. Rufmord, Opfer und Vermögensschäden sind irreparabel. Ausserdem wird bei einem Putin-Sieg der nationale Weihrauch jede vernünftige Welt- und Weitsicht vernebeln. Dieser Krieg hat nur Verlierer, denn jeder Größenwahn ist tötlich. Das ist aber leider keine Genugtuung für die Verlierer.