Zwei Männer stehen barfuß in einem schmalen Wasserlauf und leiten mit einfachen Werkzeugen Wasser auf ein Feld. Im Hintergrund sind trockene Flächen und vereinzelte Bäume zu sehen
Nach dem Erdbeben in der Region Mandalay in Myanmar fehlt es vielerorts an funktionierender Infrastruktur. Diese Bauern leiten mit einfachem Werkzeug Wasser auf ein Feld
Welthungerhilfe
Myanmar
Sie brauchen Wasser
Vor einem Jahr bebte in Myanmar die Erde, Tausende starben, Zehntausende verloren ihr Heim. Vor allem die Landbevölkerung in der Region Mandalay leidet immer noch. Es droht eine Hungerkatastrophe
Tim Wegner
20.06.2026
2Min

Am 28. März 2025, um 12.50 Uhr Ortszeit, bebte in Myanmar die Erde. Mit einer Stärke von 7,7 auf der Richterskala war es das schwerste Beben in dem südostasiatischen Land seit Jahrzehnten.

Mi Mi Kyaw, Regionalleiterin der Welthungerhilfe in Myanmar, fuhr sofort mit ihrem zwanzigköpfigen Team ins Zentrum der Zerstörung, in die Millionenstadt Mandalay. Die ersten Tage kampierten sie auf der Straße, bis ein Kloster in der Nähe sie aufnahm und sie von dort ihre Nothilfearbeit starten konnten.

Eine der dringendsten Notwendigkeiten bei schweren Erdbeben ist sauberes Wasser. Das Team der Welthungerhilfe konnte Hunderte 20-Liter-Kanister Frischwasser organisieren. Was sich banal anhört, macht in dieser Extremsituation einen Unterschied: "Die großen Kanister können wiederverwendet werden, Plastikflaschen vermüllen dagegen die Landschaft, da es kein Recyclingsystem gibt, erst recht nicht nach einem Erdbeben", weiß Mi Mi Kyaw.

Mit 1,6 Millionen Einwohnern ist Mandalay die zweitgrößte Stadt nach der ehemaligen Hauptstadt Rangun. Einst britische Kolonie, unabhängig seit 1948 und seither erschüttert von Putschen und Bürgerkriegen, ist Myanmar eines der ärmsten Länder der Welt.

Mehr als ein Jahr ist das Erdbeben jetzt her, die Folgen in und um Mandalay sind immer noch spürbar. Ein Großteil der zerstörten Häuser in der Dörfern der Region konnte noch nicht wieder aufgebaut werden. Das gleiche gilt auf den Feldern für die Bewässerungskanäle und die Wasserpumpen. Die Folge: Auch in diesem Jahr verlieren die Bauern wieder ihre wichtigste Einnahmequelle – Reis –, es droht eine Hungerkatastrophe. Schon jetzt, weiß Mi Mi Kyaw, verzichten 36 Prozent der Frauen und 28 Prozent der Männer täglich auf eine Mahlzeit.

Für das Team der Welthungerhilfe stehen daher vor allem arme Bauern und Bäuerinnen in insgesamt 62 Dörfern der Region Mandalay im Fokus. Das wichtigste Ziel ihrer Arbeit: die Bäuerinnen und Bauern aufklären und stärken. Welches Saatgut ist resilienter in Zeiten des Klimawandels? Wie baut man eine solarbetriebene Wasserpumpe? Und wie verhindert gute Hygiene den Ausbruch seuchenartiger Krankheiten? "Je mehr die Bauern wissen, umso selbstbewusster werden sie und umso eher treffen sie die für sich richtigen Entscheidungen" – und das trägt zur Ernährungssicherheit bei, weiß Mi Mi Kyaw.

Auch die Menschen in Myanmar kämpfen mit den Folgen des Irankrieges. Preise für Öl und Benzin explodieren – katastrophal für die ohnehin verarmte Landbevölkerung, die für den Betrieb der Wasserpumpen oder für den Kauf und Transport von Düngemitteln auf bezahlbare Energie angewiesen ist.

Im Vergleich zu 2025, warnt Mi Mi Kyaw, könnten sich die Kosten für die Bauern verdoppeln. Und gerade weil die Weltöffentlichkeit zur Zeit auf ganz andere Regionen blickt, gerade deshalb so Mi Mi Kyaw, sei es so wichtig, die Menschen hier in Myanmar nicht zu vergessen.

Spendeninfo

Die Welthungerhilfe ist seit 2002 in Myanmar präsent. Mit einer Spende von 150 Euro finanziert das Regionalteam für eine Familie den Kauf von zwei Schweinen; oder für ca. 120 Euro zwei Ziegen.

Spendenkonto:
Sparkasse Köln/Bonn
IBAN DE15 3705 0198 0000 0011 15
Stichwort: chrismon
welthungerhilfe.de

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