Mein Opa Clemens war 71 Jahre alt, als seine Frau Ida starb. Er trauerte sehr um sie und nahm sich lange Zeit dafür. Ein Jahr nach ihrem Tod wird ihm durch seine Tochter eine Enkelin geboren und vom ersten Tage an ist sie für ihn eine Art wiedergeborene Ida. Er wünscht sich, dass das Neugeborene den Namen seiner Frau als zweiten Namen erhält, und so passiert es, dass ich Beate Ida heiße.
Mein Opa und ich sind in unserer Familie eine viele Jahre verbundene Gemeinschaft, die mich stärkt und sicher durchs Leben gehen lässt. Er bringt mir bei, wie unterschiedliche Apfelsorten riechen, schmecken und sich anfühlen. Er stellt sich hinter mich, wenn meine (nicht besonders strengen) Eltern ausnahmsweise mal streng sind. Er vertraut mir früh an, Geld zur Bank zu bringen (ich bin 11 Jahre alt und meine Mutter beobachtet es neidisch oder enttäuscht, weil er sie, auch als erwachsene Frau, nie gebeten hat, das zu tun).
Er ist kein Opa zum Anfassen oder Kuscheln, nur seine kratzige Wange spüre ich jeden Abend, wenn ich ihm einen Gute-Nacht-Kuss auf die Wange gebe. Jeden Mittag nach dem Essen decke ich ihn für das Mittagsnickerchen mit einer Decke zu, das ist das körperlich Naheste, was wir miteinander haben.
Er erzählt mir zig Mal seine Erlebnisse aus dem Ersten Weltkrieg und der Kriegsgefangenschaft. Ich höre geduldig zu, auch wenn ich die Geschichten alle schon mehrfach gehört habe.
Ich gebe ihm, auf seinen Wunsch hin Englischunterricht (er 85, ich 12/13 Jahre alt), weil er das noch lernen möchte. Ich bekomme 20 Pfennig pro Unterrichtseinheit, er hat die Hausaufgaben, die ich ihm gebe, immer schon am selben Tag fertig.
Er gibt mir Taschengeld für die Kirmes und schimpft am nächsten Morgen, dass ich zu spät nach Hause gekommen sei.
Ich spüre immer seine Unterstützung und Liebe, ich weiß darum, ohne, dass er je ein Wort darüber gesprochen hat. Bis heute, 66 Jahre nach meiner Geburt, 48 Jahre, nachdem er gestorben ist.
Beate Hoffmann
Oma war immer da
An mich geglaubt hat vor allem meine Oma. Nicht mit großen Reden, sondern mit dieser stillen Selbstverständlichkeit, dass ich das schon schaffe. Egal ob Schule, Job oder irgendwelche verrückten Ideen. Sie war immer da, hat zugehört und mir das Gefühl gegeben, dass ich gut bin, so wie ich bin.
Später kamen noch andere dazu. Menschen, die mir Mut gemacht haben, wenn ich selbst gezweifelt habe. Eine Kollegin, die mir mehr zugetraut hat als ich mir selbst. Freunde, die mich aufgefangen haben, wenn mal alles zu viel wurde.
Und ja, davon versuche ich etwas weiterzugeben. Ich sage anderen öfter, wenn ich an sie glaube. Ich höre zu. Ich feuere an. Manchmal reicht schon ein ehrliches "Du kannst das", um jemandem einen kleinen Schubs nach vorne zu geben. Genauso, wie ich ihn damals bekommen habe.
Franziska H.
Meine Oma. Sie bleibt mir für immer in Erinnerung, weil
sie dafür sorgte, dass mir die Lust zum Rauchen mit Erfolg
verging.
Manfred B.
Ihr Vertrauen war unerschütterlich
In meinem Leben war es vor allem meine Großmutter Elisabet, die immer an mich geglaubt hat. Selbst wenn ich an mir zweifelte, gab mir ihr unerschütterliches Vertrauen die Kraft, meinen eigenen Weg zu gehen.
Dank ihrer Unterstützung habe ich gelernt, dass Mut und Ausdauer sich immer auszahlen! Ob chronische Krankheit, Trennungen oder andere Verluste, ihr Rat war immer Gold wert.
Caroline M.
Ihr Vertrauen wirkt bis heute nach
Es war vor allem meine Oma, die an mich geglaubt hat. Nicht mit großen Worten, sondern mit einer Selbstverständlichkeit, die mir Kraft gegeben hat. Sie hat zugehört, mich ernst genommen und mir das Gefühl vermittelt, dass mein Weg richtig ist – auch wenn er manchmal holprig war.
In Momenten des Zweifelns war sie der Mensch, der sagte: "Du schaffst das." Dieses Vertrauen wirkt bis heute nach. Und ich versuche, es weiterzugeben, indem ich anderen mit derselben Offenheit begegne, die mir damals geschenkt wurde.
Heike. H.
Sie war die Wichtigste
Oma. Da ist es, das Wort. Oma. Meine Gedanken beginnen zu fliegen. Rückwärts. Bilder ziehen an mir vorbei, vogelfederleicht, bunt, lachend. Oma. Sie ist Zeit ihres Lebens der wichtigste Mensch in meinem Leben gewesen. Ich denke an sie und mein Herz wird weit. Ich erinnere mich.
Ich erinnere mich an den Weg in ihre Wohnung, am Samstagabend, wenn ich bei ihr übernachten durfte. Hand in Hand gingen wir durch den Park, drehten uns immer wieder um und winkten meiner Mutter, die am Wintergartenfenster stand und uns nachschaute. Wir liefen vorbei an den Blumenrabatten und meine Oma sang leise: "Die Blümelein, sie schlafen". Dabei zeigte sie mir die kleinen Blüten, die schon ihre Köpfchen geschlossen hatten.
Oma. Meine Hand in ihrer. Ich spüre noch heute ihre runzelige Haut, die Wärme ihrer Hand, und ich fühle mich sicher. Mit ihr an meiner Seite kann mir nichts geschehen.
Abends, wenn auch ich zur Ruh gehen musste, kam sie zu mir, saß an meinem Bett, das in ihrem Schlafzimmer stand. Immer hatte sie es mit der zarten Rosenbettwäsche bezogen, die ich so sehr liebte. Sie erzählte mir vom Tag, was wir zusammen erlebt hatten, sie streichelte mich und schloss mich fest in die Arme. Dann hielt sie meine Hand und sang mir ein Abendlied. "Weißt du, wie viel Sternlein stehen…", und ich fühlte mich gesehen, von ihr, von Gott, der alles zählt, und konnte sicher schlafen.
Morgens durfte ich zu ihr ins Bett krabbeln. Sie streichelte mich, immer, immer, und ich atmete ihren Duft, fühlte ihre Nähe und war glücklich.
Über ihrem Bett hing ein Bild. Ein Landstreicher sitzt auf einem Berg, an einen Zaun gelehnt. Er trägt einen alten Hut und kaut auf einem Grashalm. Er hat die Augen geschlossen. Immer wieder las meine Oma mir vor, was unter dem Bild stand, und noch heute kann ich ihre Stimme in mir hören, wenn sie las: "Ruhe mit Würde. Wer das erreicht, hat des Lebens Gipfel erklommen. Ihm ist, da ihm der Alltag schweigt, ewiger Sonntag gekommen."
Ich liebte es, wenn meine Oma diese Zeilen vorlas. Es war etwas Besonderes in ihnen. Etwas Wunderbares, was mich verzauberte.
Antje Claußen
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