Als kleiner Junge waren die Märchen der Brüder Grimm für Hans-Holger Liste eine Art Arznei. "Wenn ich krank war, habe ich sie verschlungen. Eines mochte ich aber nie: wie in Märchen mit dem Wolf umgegangen wird." Schon damals hatte er so ein dumpfes Gefühl. Ist der Wolf wirklich ein hinterlistiges Wesen, das den Tod durch einen Jäger verdient?
Heute ist aus der Beklemmuang aus Kindheitstagen ein Antrieb geworden. Vor gut vier Jahren begann Liste, sich dem Tierschutz zu widmen, und gründete die Allianz Wolf Brandenburg: ein loses Bündnis von Ehrenamtlichen, das sich um heimgekehrte Wölfe kümmert. Der 62-Jährige lebt in Fichtenwalde, einem waldreichen Ortsteil von Beelitz unweit von Potsdam.
Angefangen hatte alles Ende der Neunziger in den USA, wo Liste mit seiner Familie drei Jahre lang lebte. Während eines Vortrags zur Wiederansiedlung von Wölfen in den Appalachen wurden zwei lebende Wölfe durch den Saal geführt. Für Liste war es ein berührender Moment.
Wieder in Deutschland begegneten Liste die Wölfe vor allem in den Schlagzeilen. 1996 wurde erstmals darüber berichtet, dass der Wolf nach rund 150 Jahren aus Polen zurückgekehrt war. 2000 wurden in der Lausitz wieder Wolfswelpen geboren. Für Liste war das der Moment, selbst aktiv zu werden. Und so bot der Agrarwissenschaftler 2018 dem brandenburgischen Landesamt für Umwelt sein Mittun beim Säugetiermonitoring an. "Wildtierkameras aufhängen und betreuen, Fuß-, Fell- und Kotspuren aufstöbern, Proben nehmen und Geokoordinaten festhalten", fasst Liste die Aufgaben zusammen.
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