Almut und Václav Kaplan sind seit 1998 verheiratet, feierten 2023 ihre Silberhochzeit und haben fünf Kinder. Die beiden leben in Rostock. Almut ist 49 Jahre alt und arbeitet als Ergotherapeutin und Altenseelsorgerin, Václav ist 51 und arbeitet für ein EU-Förderprogramm.
Almut Kaplan: Das erste Mal gesehen haben wir uns 1992 am Erntedankfest in der Kirche eines kleinen mecklenburgischen Dorfes. Da waren wir 15 und 18. Václav war gerade als Au-pair aus Tschechien zu unserem Pastor gekommen.
Václav Kaplan: In der Schule hatte ich Deutsch als Fremdsprache. Deshalb habe ich mich für Deutschland entschieden. Ich habe mich dann bei einer Agentur beworben und gesagt: "Mir ist eigentlich egal, wohin." Und so bin ich in Mecklenburg gelandet. Das war ein absoluter Zufall. Aber ich wollte schon aufs Land, weil ich in Tschechien in einem Dorf aufgewachsen bin. In eine Großstadt hätte ich mich nicht getraut.
Almut: Meine Schwestern sagten mir nach dem Gottesdienst, Václav habe die ganze Zeit zu mir geschaut. Das fand ich toll. Ich war neugierig auf ihn. Es kam nicht häufig vor, dass jemand Neues in unsere Dorfkirche ging. Und für mich war schon immer alles Tschechische positiv besetzt. Meine Mutter war als junge Frau häufig dort und hatte schöne Erinnerungen und viele tschechische Freunde. Erst viel später habe ich herausbekommen, dass Václav gar nicht zu mir geschaut hatte.
Václav: Das war mein erster Sonntag dort. Die Kirche war voller Menschen. Ich war erst mal damit beschäftigt anzukommen. Wahrscheinlich habe ich einfach meinen Blick durch die Menge schweifen lassen. Dabei habe ich sicherlich auch Almut mehrfach angeschaut. Aber so richtig wahrgenommen habe ich sie erst später, als sie mit ihrer Mutter Äpfel im Garten des Pfarrhauses sammelte.
Sie hatte zuvor öfter die Kinder des Pfarrers babygesittet, mit ihnen Bilderbücher angeschaut, Blumen gepflückt oder Häuschen gebaut. Da ich Anschluss suchte und offen für Kontakte war, kamen wir schnell ins Gespräch.
Almut: Als wir uns das erste Mal getroffen haben, war ich glücklich. Ich hatte kaum Freunde in meinem Dorf. Sie lebten alle weiter weg. Deshalb habe ich mich gefreut, dass ich mit jemandem vor Ort etwas unternehmen konnte.
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Václav: Ich war gerade erwachsen geworden und in ein neues Land gekommen, war neugierig auf die Leute, die Sprache, die Landschaft, die Natur. Aber ich hatte nicht den Plan, unbedingt eine Freundin zu finden.
Wir sind viel zusammen Fahrrad gefahren oder Almut hat mir Bücher auf Deutsch vorgelesen: Hans Fallada, die Geschichten von Ephraim Kishon oder die Sketche von Loriot.
Wir gingen auch viel spazieren. Und eines Abends sind wir aus der Ortschaft hinausgelaufen. Da gab es keine Straßenlaternen mehr und wir haben in einen herrlichen Sternenhimmel geschaut. Wir haben versucht, Sternenbilder zu erkennen. Und dann flog diese Sternschnuppe vorbei. Wir haben uns daraufhin an der Hand genommen. Anscheinend hatten wir uns dasselbe gewünscht. (lacht) Es ist ein bisschen kitschig, aber so sind wir zusammengekommen.
Ein paar Tage später habe ich Almut eine Rose aus einem Vorgarten gepflückt. Es war November, bereits dunkel und es wuchs leider nicht mehr so viel draußen, aber ich wollte ihr eine Freude machen. Dass die Rose vertrocknet war, habe ich leider nicht gesehen.
Almut: Aber die Blätter habe ich mir ewig aufbewahrt.
Eine Freundin, die nicht katholisch ist?!
Václav: Wir waren in vielen Punkten auch sehr unterschiedlich. Ich hatte vor, Wirtschaft zu studieren, dachte unternehmerisch, wie so viele junge Tschechen in der Nachwendezeit. Schon mein Opa und mein Urgroßvater waren Unternehmer, hatten einen Obst- und Gemüseladen und einen Kolonialwarenladen. Mein Vater hat mit Produkten aus Schafwolle gehandelt. Almut hatte dagegen mehr so eine künstlerische Sicht auf das Leben, viel sozialer. Das fand ich spannend.
Almut: Ich war damals in einem alternativen Kirchenmodus unterwegs, wollte Gutes tun und die Welt verbessern, für die Menschen und die Schöpfung da sein. Allein das Wort BWL fand ich schon ganz schlimm. Ich dachte, wer das studiert, muss ein schrecklicher Mensch sein. Da hat Václav meine pauschalen Denksätze aufgebrochen.
Václav: Almut dachte bei Unternehmen an die Großkonzerne, die die Welt zugrunde richten und vergiftete Babymilch in Afrika verkaufen oder so was. Ich dagegen hatte eher die kleinen Geschäftsinhaber meiner Verwandtschaft mit ihren Autowerkstätten und Gemüseläden vor Augen.
Almut: Diese kleinen Unternehmen fand ich sympathisch. Viele unserer Grundwerte waren aber auch gleich. Wir waren und sind beide gläubig.
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Václav: Ich komme aus einer katholischen Familie. Nach der Wende konnte man in Tschechien endlich wieder seinen Glauben frei ausleben. In der Euphorie hat man das dann umso ernster genommen. Es war wichtig, jeden Sonntag die Kirche zu besuchen, die Beichte abzulegen oder auf Wallfahrten zu gehen.
Am Anfang war es für meine Eltern nicht einfach, sich damit abzufinden, dass ich jetzt plötzlich eine Freundin habe, die dann auch noch aus einem anderen Land kommt und dann auch noch nicht katholisch ist.
Dass Almut deutsch war, hat aber keine Rolle gespielt. Obwohl viele Tschechen nach dem Zweiten Weltkrieg schlecht auf Deutschland zu sprechen waren oder Angst hatten, dass die Sudetendeutschen wiederkommen und sich ihr Eigentum zurückholen. Meine Familie war da anders. Mein Opa hatte seine Ausbildung im Sudetenland gemacht, sprach fließend Deutsch und hatte viele Freunde in West- und Ostdeutschland. Ihm war die Versöhnung mit den Deutschen wichtig.
"Ich bin eine Zeit lang nicht mehr zu Václavs Eltern nach Hause gefahren"
Almut
Almut: Sein Opa hat sich richtig gefreut über unsere Beziehung. Seine Eltern waren da zurückhaltender. Die Unterschiede zwischen den beiden Kulturen wurden mir erst klar, als ich das erste Mal bei Václavs Familie zu Besuch war. Ich hatte noch eine Freundin dabei und Václav einen Freund aus Mecklenburg.
Seine Eltern haben sich ganz viel Mühe gegeben, so wie sie es immer machen, und haben aber auch sehr viel Dankbarkeit erwartet. Diese überschwängliche Dankbarkeit konnten wir nicht bieten. Wir haben eben auf norddeutsche Art gesagt, dass das Essen gut war, und uns dafür bedankt. Deshalb waren sie enttäuscht, glaube ich. Mit sechzehn wusste ich nicht, wie ich darauf reagieren sollte.
Václav: Ich saß zwischen den Stühlen, konnte teilweise verstehen, was meine Eltern meinten. Aber ich wollte auch zu meiner Freundin stehen und loyal sein. Wir waren alle ein bisschen überfordert.
Almut: Ich habe in der Zeit Václav lieber im Studentenwohnheim besucht, weil wir da mehr Zeit für uns hatten. Erst als unser ältester Sohn geboren wurde, hat sich das Verhältnis gebessert. Da haben seine Eltern zu mir gesagt: Wir staunen, dass du eine so tolle Mutter bist. Als hätten sie irgendwas anderes von mir erwartet.
Lass die Leute reden
Václav: Meine Eltern hatten in manchem ein falsches Bild von Almut. Das lag unter anderem auch daran, dass sie anfangs noch kein Tschechisch konnte und ich immer übersetzen musste.
Almut: Heute verstehe ich auch seine Eltern besser. Die haben viel gearbeitet und dann kommt so eine ungewöhnliche Freundin dazu. Das ist natürlich anstrengend. Und vermutlich hatten sie gehofft, dass Václav ihren Hof irgendwann übernimmt. Bei meinem Besuch wurde ihnen, glaube ich, zum ersten Mal klar, dass das vielleicht nicht klappt.
Václav: Vielleicht hätten sich meine Eltern eine katholische Frau für mich gewünscht, vielleicht aber auch nicht. Beeinflusst hat sie wahrscheinlich auch, was die Nachbarn und Verwandten darüber dachten und dazu sagten. Eigentlich sind die meisten Menschen in Tschechien nicht so religiös. Aber die Gegend, aus der ich komme, hat einen relativ hohen Anteil an Menschen, die in die Kirche gehen.
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Almut: Die Tanten haben gerne über uns getratscht. Darüber, dass wir zusammen waren, dass wir in einem Raum übernachten wollten. Das fanden die ganz furchtbar. Das ging nicht. Aber der Priester im Ort war sehr lieb und mochte mich. Ich bin da richtig gerne in die Messe gegangen. Er war ein sehr offener Mensch. Er meinte irgendwann später mal, dass wir die besten Katholiken in der Stadt sind.
Václav: Wahrscheinlich, weil wir fünf Kinder hatten.
Almut: Er hat auf jeden Fall Václav bei der Eucharistie immer eine Oblate für mich mitgegeben, weil ich als evangelische Frau nicht nach vorne durfte. Einmal sagte er sogar, dass ich das nächste Mal doch selbst nach vorne kommen könne. Das habe ich mich aber nicht getraut, weil ich ihm keine Probleme machen wollte. Die anderen in der Kirche hätten das nicht gerne gesehen.
"Ich habe extra enge Sachen angezogen, damit man den Bauch schön sieht"
Almut
Václav: Später bin ich aber konvertiert. Ich gehöre jetzt seit einigen Jahren zur evangelischen Kirche. Ich habe mich schon immer in beiden Kirchen heimisch gefühlt.
Irgendwann hat dann die katholische Kirche eine Wendung genommen, hinter der ich nicht mehr stehen konnte: die ganzen Missbrauchsskandale und tschechische Bischöfe, die offen populistische und undemokratische Politiker unterstützt haben.
Ich habe mich jahrelang in der evangelischen Kirche engagiert. Deshalb dachte ich mir, wenn ich schon Kirchensteuer zahle, dann soll sie bitte an die Kirche gehen, in der ich mich wohlfühle. Meine Mutter fand diese Entscheidung gut. Das hat mich überrascht. Sie hadert mittlerweile selbst mit den erzkonservativen Ansichten in der katholischen Kirche.
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Almut: Geheiratet haben wir evangelisch in meinem Heimatdorf. In der Kirche, in der wir uns kennengelernt haben. Die Hochzeit war ein schönes, ganz schlichtes Fest. Jeder hat was fürs Buffet mitgebracht.
Václav: Getraut hat uns der Pastor, bei dem ich Au-pair gewesen bin. Meine Eltern, meine Schwester und ein Cousin mit seiner Freundin kamen zu Besuch. Für den Rest der Verwandtschaft war das zu weit weg.
Der katholischen Kirche habe ich nie gemeldet, dass ich geheiratet habe. Wir hatten immer die Einstellung, dass wir in Deutschland evangelisch und in Tschechien katholisch sind. In Deutschland haben wir selten einen katholischen Gottesdienst besucht. Wiederum wurde eines unserer Kinder in Tschechien katholisch getauft.
Almut: Standesamtlich hatten wir schon im Jahr zuvor geheiratet. Václav war da 24 und ich 21 und hochschwanger. Für unsere Eltern war das kein Problem, die haben sich riesig gefreut. Aber in Václavs tschechischer Kirchengemeinde haben wir ein paar böse Blicke abbekommen. Ich habe aber auch extra enge Sachen angezogen, damit man den Bauch schön sieht.
Die Fernbeziehung schmerzt
Václav: Vor unserer Hochzeit haben wir einige Jahre lang eine Fernbeziehung geführt. Nach dem Au-pair-Jahr bin ich erst mal zurück nach Tschechien und habe mein Studium angefangen. Almut ist zu Hause geblieben und hat ihre Schule beendet. Das war eine anstrengende Zeit, weil wir uns nicht so oft gesehen haben. Almut hatte noch kein Internet und Handys gab es nicht.
Almut: Wir haben uns viele Briefe geschrieben und 20 Minuten in der Woche telefoniert. Mehr haben mir meine Eltern nicht bezahlen können. Das Telefonieren kostete eine Mark pro Minute. Irgendwann gab es im Dorf eine Telefonzelle, die war kaputt. Da hat man telefoniert und telefoniert und am Ende fiel die Mark netterweise unten wieder raus. Das hat aber natürlich schnell das ganze Dorf mitbekommen. Deshalb war man da nie allein; es klopfte immer schon jemand an die Scheibe.
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Meine Reisen nach Tschechien haben auch meine Eltern finanziert. Die waren genauso in Václav verliebt wie ich. Ich war in der Zeit oft sehr traurig. Meine Freundinnen waren alle in Rostock und ich ganz allein in meinem Dorf. Ich habe immer die Tage gezählt, bis ich Václav wiedergesehen habe. Ich habe mir extra einen Kalender gebastelt, an dem ich die Tage abschneiden konnte. Wir haben abends auch manchmal in die Sterne geschaut, zum Großen Wagen, und aneinander gedacht.
Václav: Ich hatte es da ein bisschen leichter, weil ich durch die Uni und das Studentenleben abgelenkt war. Aber es war schon schwierig, dass wir uns nicht einfach mal so anrufen konnten. Als Almut mich einmal besuchen kam, hat sie beim Umsteigen in Prag den Zug verpasst.
Almut: Ich kam erst mitten in der Nacht mit einem späteren Zug an, aber konnte Václav nicht Bescheid geben. Da hatte ich echt etwas Angst. Irgendwann haben wir uns dann gefunden. Dass meine Mama mich da mit 16 einfach so hat wegfahren lassen, finde ich echt mutig. Ich wüsste nicht, ob ich das bei unseren Kindern auch so gemacht hätte.
"Inzwischen glaube ich, dass es gut war, dass wir da nicht hingezogen sind"
Almut
Václav: Die ersten Jahre nach unserer Hochzeit haben wir hin und her überlegt, in welchem Land wir wohnen sollen. Deshalb haben wir unseren Kindern jeweils einen tschechischen und einen deutschen Vornamen gegeben. Almut wollte lieber nach Tschechien und ich eher nach Deutschland. Wegen meines Berufs sind wir dann nach Deutschland gezogen.
Almut: Ich dachte, der große Hof von Václavs Eltern könnte für die Kinder schön sein. Aber inzwischen glaube ich, dass es gut war, dass wir da nicht hingezogen sind. Sonst wären wir vielleicht schon geschieden. Die Großfamilie hätte uns echt an unsere Grenzen gebracht. Wir tun uns beide schwer damit, Grenzen zu ziehen, und versuchen, Konflikte zu vermeiden. Gerade am Anfang, wenn man sich selbst als Familie finden muss, hätte uns das schnell überfordern können.
Die Familie spielte damals in Tschechien eine ganz andere Rolle als in Deutschland. Man war immer füreinander da. Wenn zum Beispiel ein Cousin ein Haus baute, dann haben andere an den Wochenenden mitgeholfen.
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Es kann auch immer jemand klopfen und einen besuchen. Da kommt dann die Tante vorbei, will Blumenableger abholen, wird zum Kaffee eingeladen, bewundert noch ein Kleid, hilft dann beim Heumachen für die Schafe und beim Kuchenbacken und geht erst, als es dunkel ist. Und direkt am nächsten Tag ist es der Onkel, der ein Glas Honig vorbeibringt, sich hinsetzt und erzählt und für den ein Hähnchen gegrillt wird.
Václav: Das hat seinen Ursprung im Kommunismus. Da konnte man selbst Menschen innerhalb der Kirche nicht trauen, weil man überall bespitzelt wurde. Die Großfamilie wurde damals zu einem Rückzugsort. Man hat sich abgeschottet und gegenseitig geholfen. Das war total wichtig.
Es mangelte ja an allem Möglichen. Deshalb ging es gar nicht anders. Es war auch nicht so, dass der Besuch nur tatenlos rumsaß und Wein trank. Man hat das oft mit Arbeit verbunden und nebenher gequatscht.
Anfangs war auch das Essen ein Streitpunkt zwischen Almut und mir. In Tschechien wird massig Fleisch gegessen. Meine Familie hat eigene Tiere auch selbst geschlachtet. Und Almut war Vegetarierin.
Der Glaube als gemeinsame Basis
Almut: Als Václav mir erzählt hat, dass er auch selbst die Tiere schlachtet, war das für mich schwer zu verkraften. Andererseits konnte er sich das nicht aussuchen, weil er auf einem Bauernhof aufgewachsen ist. Und es ist ja auch viel ehrlicher, als wenn man das Fleisch im Supermarkt kauft. Als ich schwanger war, habe ich aufgehört, mich vegetarisch zu ernähren. Jetzt bewegen wir uns irgendwo in der Mitte.
Václav: Schwierig war es immer, wenn Verwandte zu Besuch waren. Almut war der Meinung, dass die auch mal was Vegetarisches essen können. Während ich dann immer Fleisch kochen wollte. Wenn es kein Fleisch gibt, geht der Besuch selbst los und kauft sich das. Und dann fühle ich mich als Gastgeber schlecht.
Wenn wir Besuch bekommen, muss möglichst viel auf den Tisch. Das bin ich so von meiner Familie gewohnt. Da gibt es nach dem üppigen Mittagessen direkt den Kuchen hinterher. Ich muss mich da immer selbst bremsen. Almut ist da viel pragmatischer.
Almut: Wir sind nach wie vor in mancher Hinsicht unterschiedlich und trotzdem glücklich miteinander. Ich gehe beispielsweise extrem früh schlafen, Václav sehr spät. Wenn ich morgens wach bin, ist er noch im Tiefschlaf. Václav spielt im Posaunenchor, ich bastle lieber zu Hause oder beobachte Vögel an unserem Futterhaus.
Ich koche im Sommer gerne Marmelade und sammle deswegen mit dem Fahrrad viel Obst. Allerdings bin ich nicht so gerne allein unterwegs. Václav hat jetzt entdeckt, dass er gerne Likör macht, und kommt seither auch mit. Wir ergänzen uns gut und nehmen Rücksicht aufeinander.
Der Glaube gibt unserer Ehe eine weitere gemeinsame Basis. Es ist schön, nicht erklären zu müssen, warum man etwas richtig oder falsch findet.
Wir haben ein gemeinsames Lieblingsgedicht von Lyriker Reiner Kunze. Darin rudern zwei ein Boot, einer liest die Sternbilder, der andere bleibt im Sturm besonnen. Zwei Menschen, die sich wunderbar ergänzen und gemeinsam glücklich sind. Das Gedicht passt so gut zu uns. Es ist wie eine Überschrift für unser Leben.


