Schräge Vögel: Die circa 25 Chormitglieder ab Anfang 60 treffen sich alle zwei Wochen zum Singen in der Junkersdorfer Gemeinde bei Köln. Heike Zeeh hatte die Idee, und Miriam Witt leitet den Chor. Außerdem begleitet Miriam Witt die Singenden auf dem Klavier, mit dem Akkordeon oder der Gitarre.
chrismon: Wie kamt ihr auf die Choridee?
Heike Zeeh: Ich hatte von Senioren gehört: "Ich kann eigentlich nicht singen, ich traue mich nur unter der Dusche, wenn es keiner hört. Dabei singe ich so gern." Manche waren auch aus Altersgründen aus ihrem Chor rausgeflogen.
Warum?
Zeeh: Weil die Stimmbänder im Alter schwächer werden.
Und dann klingen die Töne schräg?
Miriam Witt: Manchmal ja, manchmal aber auch nicht. Wir singen ja auch ohne Noten. Aber das Wichtigste ist, dass wir Spaß haben. Und abschalten können. Alles, was einem im Kopf herumspukt, vergisst man beim Singen. Manchmal sogar den Topf auf dem Herd . . . nein, den lieber nicht. Singen macht einfach fröhlich. Also bei uns wird viel gelacht.
Was singt ihr?
Zeeh: Schlager, Volkslieder, christliche Lieder und Lieder, die unsere Chorleiterin selbst komponiert hat. Unser Mottolied hat sie auch geschrieben. Wenn wir auf Weihnachtsfeiern oder Adventsbasaren auftreten, singen wir auch mal "Stille Nacht". Am liebsten singen wir "Trink, trink, Brüderlein trink".
"Vögel sind ja gesellige Tiere"
Miriam Witt
Was war das Schrägste, das bislang passiert ist?
Zeeh: Wir wurden beim chrismon-Publikumspreis überstimmt. Aber dann haben wir auf einmal den Jurypreis gewonnen! Das ist das Schrägste, was passieren konnte.
Und was ist das Schönste bei den "Schrägen Vögeln"?
Witt: Das Gemeinschaftsgefühl, Vögel sind ja gesellige Tiere.
Was macht ihr mit dem Preisgeld?
Witt: Ich bekomme im Monat 140 Euro, also reicht das Preisgeld für ungefähr ein Jahresgehalt.
Mütopia ist ein kirchlicher Begegnungsort in Köln-Mülheim, an dem alles getan wird, worauf die Leute Lust haben: "Princess Charming" schauen, beten, Karaoke singen oder selbst eine Küche bauen. Janneke Botta (Pfarrerin) und Katharina Haubold (Gemeindepädagogin) begleiten das Projekt.
chrismon: Was ist eure Utopie?
Janneke Botta: Meine Utopie ist es, gemeinsam einen Ort für das gute Leben zu gestalten. Ich möchte Menschen in ihrer Sehnsucht nach Gott begleiten.
Warum gerade in Mülheim – einem Stadtteil im Umbruch?
Botta: Die Menschen hier sind politisch, auf spiritueller Suche, sie leben teils unkonventionell, und sie kommen in der Kirche einfach gar nicht vor.
Katharina Haubold: Es wurde auch Mülheim, weil hier andere bereits einen Ort bereitet hatten. 2015 hatten sich hier Menschen mit der Frage auseinandergesetzt: Was braucht Mülheim von und mit der Kirche?
Und wie lautet die Antwort?
Botta: Gott begegnet mir selten am Sonntagmorgen um zehn, sondern oft zu anderen Tageszeiten und bei anderen Beschäftigungen. Wir verstehen Kirche nicht so sehr als: Die einen machen ein Angebot für die anderen. "Princess Charming" zu schauen, war zum Beispiel nicht unsere Idee. Aber es hat schon zu persönlichen Gesprächen über Wunder und Marias Fürsorge geführt.
Was unterscheidet einen "kirchlichen Ort" von einer Kirche?
Haubold: Der Begriff ist eine Krücke, die uns davor bewahrt, in das abzurutschen, was wir sonst mit Kirche verbinden. "Kirchlicher Ort" zwingt dazu, nachzufragen, und hilft uns, Kirche weiter zu fassen, als wir es ein paar Jahrhunderte lang gemacht haben.
Was wollt ihr von dem Preisgeld für "Mütopia" finanzieren?
Botta: Von dem Geld bauen wir unsere Küche aus Ytong gemeinsam.
chrismon Gemeindepreis 2025
Alle zwei Jahre verleiht chrismon den Gemeindepreis für innovative Ideen. Unterstützt von der KD-Bank, Brot für die Welt, dem Gustav-Adolf-Werk und dem Gemeindebrief wurden 19 Preise verliehen. 250 Gemeinden hatten sich beworben, 800.000 Stimmen wurden abgegeben. Überreicht wurde der Preis im Juni in Leipzig.
