chrismon: Sie haben eine Form der Epilepsie, die durch Musik ausgelöst wird. Wie äußerte sich das zum ersten Mal?
Sonja Schöntauf: Ich war vor über zehn Jahren mit meinen kleinen Kindern, damals drei und fünf, auf dem Weihnachtsmarkt, dort sang ein Gospelchor. Ich bin plötzlich umgefallen, Schädelbruch, Rettungswagen. Als ich nach meinen Kindern gerufen habe, haben die Sanitäter gelacht. Sie dachten, ich hätte zu viel Glühwein getrunken. Aber im Krankenhaus war dann schnell klar – auch weil ein Passant gesehen hatte, dass ich gekrampft hatte: Ich leide an Epilepsie. Ich hatte schon seit einigen Jahren beim Musikhören merkwürdige Absencen gehabt, die sich niemand recht erklären konnte. Jetzt wusste man, dass es sich dabei um "kleine" epileptische Anfälle gehandelt hatte. Die Situation auf dem Marktplatz war mein erster "großer" Anfall mit Bewusstlosigkeit und Krämpfen. Die Epileptologen finden das übrigens toll …
Toll?
Ja, weil die "musikogene Epilepsie" so selten ist. Es ist für Ärzte oder Forscherinnen normalerweise schwierig, einen epileptischen Anfall aufzuzeichnen. Da werden Patienten manchmal tagelang unter Schlafentzug gesetzt, um einen Anfall zu provozieren. Mich schließen Sie ans EEG an, legen Musik auf – ab geht's. Für Forschende spannend. Wenn ich im EEG war, hat man gern Studierende zuschauen lassen …
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