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Mit "Trag das Feuer weiter" schließt Leïla Slimani eine große, autobiografisch grundierte Dreigenerationen-Trilogie ab. Wir begleiten ihre Mitte der 1970er Jahre geborene Alter-Ego-Figur Mia Daoud, die versucht, sich von ihren marokkanischen Wurzeln zu befreien, und ins Ausland geht. Doch weder hier noch dort verfügt sie über eine eindeutige Identität.
In Paris ist sie zwar als Schriftstellerin erfolgreich, gilt aber nicht als "richtige" Französin. In Marokko hat sie sich längst von der armen, nur Arabisch sprechenden Bevölkerung entfernt: Kehrt sie nach Hause zurück, bleibt sie dort eine Fremde. So ist Slimanis Roman mit seinen vielen Figuren das beeindruckende Zeugnis einer modernen Identitätssuche, die zudem von vielen politischen Veränderungen erschwert wird.
Ganz andere Kämpfe hat die 19-jährige Emily im dritten Roman der Norwegerin Maria Navarro Skaranger auszufechten. Sie wohnt in einem Vorort Oslos. Ihre Bleibe ist klein, und an Problemen hat es in ihrem jungen Leben nie gemangelt. Nun ist Emily im siebten Monat schwanger. Der Kindsvater Pablo hat sich davongemacht und ist in kriminelle Machenschaften verstrickt. Umsorgt wird Emily von ihrer Mutter, einer Frühpensionärin, die mit Männern auch kein Glück hatte. Raffiniert die Perspektiven wechselnd, erzählt Skaranger von einer prekären Existenz und schafft es, Sympathie für eine junge Frau zu wecken, die so gerne stark wäre.


