Theodor Wonja Michael
Laura Breiling
Lebensgeschichte
"Jede falsche Bewegung war lebensgefährlich"
Vor über 100 Jahren in Berlin geboren und als Schwarzer im NS-Staat aufgewachsen: Theodor Wonja Michael überlebte die Barbarei dank Schauspielerei und wurde zum Vorbild
Victoria Komu
14.01.2026
3Min

Schon als Zweijähriger wurde Theodor Wonja Michael in sogenannten Völkerschauen präsentiert – Zurschaustellungen, die den Deutschen der Weimarer Republik schwarze Menschen aus den Kolonien in Afrika vorführten wie Zootiere. Für seinen kamerunischen Vater waren solche Auftritte - neben denen als Filmkomparse - die einzigen Einnahmequellen Ende der 1920er Jahre. Rassistische Gesetze hatten ihm den Zugang zu anderen Berufen verwehrt. Da die Mutter von Theodor Wonja Michael kurz nach seiner Geburt 1925 verstorben war, wuchsen die Kinder bei verschiedenen Pflegeeltern auf.

Als im Januar 1933 die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht übernahmen, war Michael gerade acht Jahre alt. Ihm wurde nun die Staatsbürgerschaft entzogen, er bekam einen sogenannten Fremdenpass. In der Schule wurde er von immer mehr Aktivitäten ausgeschlossen, bis er schließlich gar nicht mehr zur Schule durfte und deswegen keinen Schulabschluss machen durfte: "Wenn von ‚wir‘ oder ‚uns‘ die Rede war, so war ich nicht gemeint", schreibt er in seiner Autobiografie.

Während andere Schwarze aufgrund ihrer Hautfarbe ins KZ kamen oder zwangssterilisiert wurden, schützen ihn Komparsenrollen als "exotischer" Darsteller in Kostüm- oder NS-Propagandafilmen ein wenig: "Wir waren die Mohren, die man da brauchte. Für uns war das eine Existenzfrage", sagte er knapp 60 Jahre später. Andere Arbeit, etwa als Page in einem Berliner Hotel, verlor er bald wieder aufgrund von Diskriminierungen.

"In der Nazizeit war jede falsche Bewegung lebensgefährlich", erinnert sich Theodor Wonja Michael. Zwei Jahre vor Kriegsende wurde er zur Zwangsarbeit verpflichtet und in ein Fremdarbeiterlager eingewiesen, wo ihn die Rote Armee im Mai 1945 befreite. Da war er 20 Jahre alt und wollte eigentlich weg, nach Amerika. Doch dann wurde seine Frau schwanger, und sie bekamen ihr erstes Kind. Und er spielte, um an Geld zu kommen, wieder Theater und übernahm Sprecherrollen beim Rundfunk.

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Mehr Infos:

Aus seinem Nachlass entstand in Köln die Theodor Wonja Michael Bibiliothek, die erste Schwarze Bibliothek Nordrhein-Westfalens. Poller Kirchweg 78-90, 51105 Köln. Öffnungszeiten: sonntags von 12 bis 18 Uhr, unter der Woche für Gruppen nach Anmeldung. Mehr Infos unter www.twm-bibliothek.de

Autobiografie: Theodor Michael: "Deutsch sein und schwarz dazu. Erinnerungen eines Afro-Deutschen", dtv, 216 Seiten, 12,90 Euro

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