Ulrich B. aus Leipzig fragt:
Neulich in der Arztpraxis: Die Medizinische Fachangestellte war länger nicht im Dienst, wir kamen ins Gespräch. Sie sagte dann: "Mein Mann ist ja krank." Huch! Was antworte ich darauf? Hätte ich fragen dürfen, was er hat? Ich will ihr nicht zu nahe treten. Aber desinteressiert will ich auch nicht wirken ...
Stefanie Schardien antwortet:
Stefanie Schardien
Vor den Ideen zu Antwortmöglichkeiten Ihrerseits sind zwei Dinge wichtig festzuhalten: Erstens ist es das Anliegen der Medizinischen Fachangestellten, darüber zu sprechen. Vielleicht, weil der kranke Ehemann für sie mittlerweile schon zum Alltag gehört; vielleicht, weil sie ihre längere Abwesenheit erklären möchte.
Zweitens hält sie Sie für vertrauenswürdig. Und so tun Sie schon allein durch das Zuhören etwas Richtiges: Die Frau ist ihr Anliegen bei Ihnen losgeworden.
Trotzdem verstehe ich Ihr leises Unwohlsein. Wie reagieren bei solchen gewichtigen Lebensthemen? In der Seelsorgeausbildung lernt man einen kleinen Trick: wenig W-Fragen! WELCHE Krankheit, seit WANN oder WOHER … Solche Fakten sind nämlich oft weniger wichtig als die Gefühle hinter der Nachricht.
Wie geht es dieser Frau wohl? Nach langer Zeit wieder arbeiten, stundenlang ist der Mann allein, abends nach dem Job vermutlich Arzttermine oder Pflege. Dann kommt es vielleicht fast wie von selbst: "Und ich hatte Sie schon vermisst." Oder: "Mensch, das stelle ich mir für Sie anstrengend vor." Oder: "Das sind ja keine guten Nachrichten." So zeigen Sie Mitgefühl und überlassen trotzdem der Frau die Entscheidung, ob sie mehr erzählen möchte.
