19.09.2022

Liebe Leserin, lieber Leser.

Fluch des Homeoffice: Meine Kinder fragen, ob ich mit ihnen Mensch ärgere dich nicht spielen möchte. Man muss ja eigentlich froh sein, wenn sie nicht nach TV, Switch oder dem iPad fragen. Und was sag ich, anstatt mich dazuzusetzen: Ja, bald. Muss noch schnell was schreiben.

Eltern sein – das definiert jede Mutter, jeder Vater anders. Große Liebe. Zerrissenheit. Überforderung. Freude. Spaß. Verantwortung… Und für manche, die ungewollt kinderlos sind: große Sehnsucht.

Es ist schon vieles möglich geworden in Kinderwunschkliniken. Aber nicht alles ist hierzulande erlaubt: Eizellenspende, Leihmutterschaft, Embryonenspende. Die Bundesregierung will das legalisieren. "Dann kann bald jeder, unabhängig von Alter und sexueller Orientierung, ein Kind bekommen", schreibt die frühere Grünen- und Linkenpolitikerin Monika Knoche im chrismon-Standpunkt. Ein entgrenztes Freiheitsverständnis sei das, findet sie, "ethisch, moralisch, menschenrechtlich und frauenpolitisch grundstürzende Veränderungen". Ihre Argumente sind vielfältig. Aber: Woher nimmt man das Recht, einem Menschen den Lebenstraum eines Kindes zu verwehren, wenn es medizinisch möglich ist? Darüber müssen wir diskutieren. Was ist Ihre Meinung dazu, liebe Leserin, lieber Leser?

Ein zweites großes Eltern-Thema im aktuellen chrismon-Heft ist die Wochenbettdepression. Daran erkranken mehr junge Mütter, als man denkt. Sie spüren keine Freude, keine Liebe, nichts. Wie kommt man da wieder raus? Das hat unsere Autorin Franziska Wolffheim aufgeschrieben. Eine anrührende Reportage über eine Familie aus Süddeutschland, die ich Ihnen sehr empfehlen möchte.

Und weil mich heute schon wieder diese Zerrissenheit heimgesucht hat, empfehle ich Ihnen auch dieses feine Kinderbuch über den aufgeweckten Mika und seinen Papa, der im Homeoffice arbeitet. Immer wieder vertröstet der Vater seinen Sohn: "Wenn du mich in Ruhe arbeiten lässt, bin ich auf jeden Fall schneller fertig." Ja, bald ...

Eine frohe Woche wünscht

Mareike Fallet
Textchefin