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Immer wenn ich ein Bild meines Elternhauses sehe, werde ich melancholisch. Die schöne weiße Villa, erbaut Ende der 1950er Jahre, war der ganze Stolz meiner Eltern. Akribisch hatte mein Vater jede Kleinigkeit mitgeplant.
Je älter die beiden wurden, umso wichtiger wurde ihnen das Haus und ihr Leben darin. Die Villa klimatechnisch modernisieren? Das Haus gar verkaufen und in eine barrierefreie Wohnung ziehen? Oder umbauen, damit eine junge Familie mit einziehen kann? Für all so etwas gab es im Bekanntenkreis meiner Eltern kein gutes Beispiel. Alles musste bleiben, wie es immer war.
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Als das Haus dann leer stand, haben wir Kinder es über einen Makler zum Verkauf angeboten. Für den war schnell klar: Der Altbau war nicht lukrativ zu vermarkten, und so wurde das Grundstück gleich als Neubaugrundstück angeboten. Das traurige Bild vom Trümmerhaufen der weißen Ziegelsteine werde ich nie vergessen. Als hätte ich meinen Eltern in ihrem Grab einen zweiten Todesstoß versetzt.
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Mittlerweile weiß ich: Das Haus zu verkaufen, war nicht nur eine Art Verrat an meinen Eltern; ich habe durch diesen Verkauf die Spekulation mit Grund und Boden angekurbelt. Ich war damals davon überzeugt, dass das Modell Eigenheim ausgedient hat - klimatechnisch sinnfrei, rückständig, weil nur für Kleinfamilien gedacht, kurzum: ein Auslaufmodell. Doch die Häuser sind nun mal da, und für Millionen Menschen ist es immer noch ein Traum, im eigenen Haus zu leben. Abreißen hilft bei all den Fragen gar nichts. Wenn, dann muss umgedacht werden. Und genau das geschieht.
Denn anders als meine Eltern dachten (und auch ich noch vor einigen Jahren): Ein Eigenheim ist nicht statisch. Nur, weil es einmal so gebaut wurde, muss es nicht so bleiben. Es kann sich veränderten Lebensumständen anpassen. Oder, fast noch revolutionärer: Das Haus bleibt so wie es ist, aber die Familien, die es bewohnen, wechseln.
Welche innovativen Ideen es gibt, kann man gerade in der Wanderausstellung "Mehr Leben im Eigenheim" in Baden-Württemberg sehen. Die Schau ging aus einem Studienprojekt der Hochschule für Technik in Stuttgart hervor, über das ich hier schon einmal geschrieben habe. Ich habe mir die Ausstellung vor ein paar Wochen in Stuttgart angeschaut und war beeindruckt von den vielen praxisnahen Ideen.
Hier ein Beispiel: Aus dem ehemaligen, jetzt leer stehenden Kinderzimmer kann man einen Co-Working-Space einrichten - für Freunde und Familie, aber auch für junge Eltern in der Nachbarschaft. Also für Menschen, die eben keinen Platz in ihrem Haus für ein Arbeitszimmer haben, weil die Kinder noch da wohnen. Die Website der Ausstellung zeigt den Prozess von der ersten Idee bis zur Umsetzung, informiert über Bau- oder Steuerrecht und bricht so das scheinbar unüberwindbare Problem (alte Eltern, altes Haus, keine Bewegung) runter auf kleine, machbare Schritte.
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In Videos kommen auch Menschen zu Wort, die etwas angepackt haben: Zum Beispiel Martina Vogel aus Konstanz. Sie hat mit 60 ein großes altes Einfamilienhaus gekauft, weil ihre Mietwohnung zu teuer wurde. Weil es für eine Person zu groß war, baute sie es um zu einem Mehrfamilienhaus und lebt dort heute mit elf anderen Menschen - auf sehr viel weniger Quadratmetern für ihren Privatgebrauch als früher, doch mit einer ungleich höheren Lebensqualität.
Die Rechtsanwältin Angelika Majchrzak-Rummel beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit neuen Eigentumsmodellen für das Einfamilienhaus. Sie schlägt zum Beispiel Erben die Gründung einer sogenannten eGBR vor, also eine "eingetragenen Gesellschaft bürgerlichen Rechts". Dieses noch relativ junge "Rechtssubjekt", so erklärt sie es mir im Gespräch, gibt es erst seit 2024 und es wurde dafür eingerichtet, damit auch kleine Personengruppen ein Einzelhaus gemeinsam erwerben und bewirtschaften können - als Alternative zur Gründung einer Wohnungsbaugenossenschaft, die sich wegen ihrer Komplexität nur lohnt, wenn es um größere Häuser oder Bestände geht.
Ist die eGBR erst mal gegründet, kann gemeinsam geschaut werden, was aus dem Elternhaus wird. Es könnte zum Beispiel gemeinschaftlich an junge Familien vermietet werden. Angelika hat für diesen Fall noch ein sehr spezielles Modell entwickelt, bei dem die Mietenden für eine bestimmte Zeit zu Miteigentümern des Hauses werden, solange sie dort als Familie wohnen und den Platz brauchen. "Wohneigentum auf Zeit" nennt Angelika das und beschreibt ihr Modell als Mischform zwischen Mieten und Kaufen. Wer sich dafür interessiert, erfährt mehr in Angelikas Blog und kann sich für einen vertiefenden Online-Kurs anmelden.
Überhaupt lohnt sich der Blick ins Netz, wenn Eltern und erwachsene Kinder sich (hoffentlich nicht zu spät) darüber unterhalten, was aus dem Elternhaus werden soll. Hilfreich ist auch die Website des Forum Gemeinschaftliches Wohnen, wo immer wieder Info-Veranstaltungen angeboten werden, auch zu neuen Ideen für das Eigenheim.
Wie sagt es eine der Protagonistinnen in einem der Wohngeschichten-Filme der oben beschriebenen Ausstellung: "Ich würde es jedem empfehlen anzupacken."
Das Seminar "Mein Haus, meine Zukunft – Selbstbestimmt wohnen im Alter" findet statt am 20. und 26. August 2026, online zu buchen über das "Forum gemeinschaftliches Wohnen".
Die Wanderausstellung "Mehr Leben im Eigenheim" tourt gerade durch Baden-Württemberg; für alle, die nicht dort leben, gibt es die wirklich sehr informative Webseite mit vielen Beispielen zur Nachahmung.
Die Online-Schulung zur eGBR und dem "Eigentum auf Zeit" findet statt am 16. Oktober 2026, ab 19 Uhr. Anmeldung hier.
Wenig bekannt ist das Förderprogramm "Jung kauft Alt". Es wird vom Bundesministerium angeboten, ein Blick dorthin lohnt.


