Familienurlaub
All inclusive - außer Kinder
Schön war der Urlaub mit den Kindern, ja. Aber erholsam? Eher nicht. Sind teure Familienhotels die Lösung?
Kind in Action mit einer Superhero Maske in einem Hotelzimmer
Auch im Urlaub hinterlassen Kinder oft Chaos - egal, ob im Hotelzimmer oder am Frühstückstisch (Symbolbild)
freemixer / Getty Images
Tim Wegener
20.08.2026
4Min

"Es ist halt ein Ortswechsel - mehr nicht", seufzt der Bekannte und Vater dreier Kinder, als ich ihm von unserem Urlaub erzähle. Schön war es ja im Chiemgau. Eine Woche in einem eher traditionellen, aber gut organisierten Hotel bei schönstem Wetter. Den See vor der Tür, die Berge am Horizont. Eine Badestelle in Laufweite, Spielplatz hinter dem Haus. Für Regentage gab es sogar einen kleinen Spielraum im Keller neben der Wellness-Oase und dem Fitnessstudio.

Trotzdem konnte ich mich nach dem Urlaub nicht dazu durchringen, ihn als "erholsam" zu bezeichnen, wenn meine Freunde und Kollegen mich danach gefragt haben. Und das, obwohl wir wirklich alles versucht hatten, um Stress zu vermeiden: kein erzwungenes Sightseeing, keine Ferienwohnung, in der wir selbst kochen und sauber machen müssen.

Stattdessen gab es ein Frühstücksbuffet und ein Restaurant im Hotel für abends sowie eine tägliche Zimmerreinigung und einen Wäscheservice. Man hätte gut und gerne den ganzen Urlaub im Hotel und der Umgebung verbringen können. In den ersten Tagen haben uns sogar Oma und Opa begleitet. Und doch waren weder meine Frau noch ich nach der Reise sonderlich entspannt.

Aber warum nur? Die Kinder. Was sonst? Mit einem Dreijährigen und einem Säugling kann man natürlich eh nicht ausschlafen. Aber das hatten wir gar nicht anders erwartet. Den Großteil des restlichen Tages verbrachten wir damit, den Kindern hinterherzurennen. Da wird vom Frühstückstisch weggerannt, zwischen den Beinen der Bedienungen und der anderen Gäste am Buffet hindurch. Es wird eine ordentliche Sauerei hinterlassen und laut gequengelt oder gebrüllt. "Einer schreit immer", erzähle ich später einem Kollegen. "Die Kinder, wir – oder ein Kellner."

Im Zimmer wird Spielzeug auf dem Boden verteilt und Kekse auf dem Bett zerbröselt. Egal, ob man zum See oder in den Wald will – man muss Unmengen an Equipment einpacken, um für den Notfall alles dabei zu haben: Wickelzeug, Snacks, eine Babytrage, Sonnenschutz, Schwimmflügel, Pflaster, Insektenspray und so weiter.

Es ist ein ständiges Ein- und Auspacken, Anziehen, Ausziehen und Umziehen. Das gemeinsame Gläschen Wein am Abend auf der Terrasse mit Panoramablick bleibt uns auch verwehrt, weil die Kinder zu dieser Zeit erst um 22 Uhr schlafen und wir danach so müde sind, dass wir meistens einfach liegen bleiben. Um 7 Uhr ist die Nacht ohnehin wieder vorbei.

Neulich sprach mich eine Freundin auf das Thema an und erzählte mir von Familienhotels mit Kinderbetreuung. Und zwar mit richtig guter Kinderbetreuung – mit ausgebildetem Personal, Programm und Ausflügen. Zum Beispiel gibt es einen Krabbelraum für Kleinkinder, eine Bastelstunde und Ponyreiten für die Größeren sowie Klettern und Rafting für Teenager. Die Angebote lesen sich so, als würden den Eltern alle Wünsche erfüllt und als stünde alles zur Verfügung, was das Familienherz begehrt und benötigt.

Diese Hotels werden bei Eltern, die sich nach Auszeit und Erholung sehnen, immer beliebter. Da sie nur für Familien sind, hat man nicht ständig das Gefühl, die anderen Gäste zu "stören". Denn als einzige Familie fühlt man sich selten wohl in einem Restaurant oder Hotel, wenn man die kopfschüttelnden Blicke der anderen spürt.

Unvergesslich für die Kinder, erholsam für die Eltern?

Das einzige Manko: Eine Nacht kostet, je nach Hotel, gut und gerne 500 bis 1000 Euro. Nach der Frage, wer sich das leisten kann, kommt für mich die Frage, wer sich das überhaupt leisten will. Denn für eine Woche Urlaub mit Kinderbetreuung gehen so circa 4.000 bis 7.000 Euro drauf. Dafür könnte man auch vier Wochen nach Thailand fliegen. Ein Artikel in der Zeitung "Die Welt" hat jedoch jüngst bestätigt, dass die meisten dieser Hotels weit im Voraus ausgebucht sind. Der Bedarf scheint also groß zu sein.

In diesem Artikel wird als Grund für den Erfolg dieser Hotels der Druck genannt, der heute auf Eltern lastet: Beide sollen berufstätig sein, den Kindern einen unvergesslichen Urlaub ermöglichen und sich dabei selbst auch noch erholen, um anschließend wieder volle Leistung am Arbeitsplatz zu bringen. Sonst noch was?

Ja, Kinder sind anstrengend. Aber ich kann mich momentan nicht mit dem Gedanken anfreunden, meine Kinder, die ja im Alltag während unserer Arbeit bereits in Betreuung sind, im Urlaub auch noch den halben Tag anderen Menschen zu überlassen. Nein, ich möchte trotz aller Nörgeleien, Flecken und Packerei mit ihnen gemeinsam etwas erleben. Ich möchte dabei sein, wenn sie Spaß haben, und in ein paar Jahren mit ihnen gemeinsam in Erinnerungen schwelgen. Denn spätestens in der Rückschau vergisst man die anstrengenden Dinge ohnehin zugunsten der bezaubernden Augenblicke.

Vielleicht sollten sich Eltern einfach klarmachen, was sie am meisten wollen. Erholung vom Elternalltag? Oder eine möglichst schöne Erinnerung für die Kinder? Oder mehr Zeit mit der Familie statt ohne?

Für manche mag ein Familienhotel die richtige Lösung sein. Andere, die weniger Geld haben, sollten sich vielleicht vom Druck befreien, sich mit anderen vergleichen zu müssen, und lieber zu Hause bleiben. Auch in der Umgebung kann man schöne Ausflüge machen, ins Schwimmbad gehen oder Mikroabenteuer erleben. Man kann den Urlaub auch als Ortswechsel mit schönen Erinnerungen sehen, aber eben nicht als Auszeit zur Regeneration.

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Kolumne

Michael Güthlein
,
Konstantin Sacher

Michael Güthlein und Konstantin Sacher sind Väter: zwei (Säugling, 3) und drei Kinder (7, 10, 12). Beide erzählen über ihr Rollenverständnis und ihre Abenteuer zwischen Kinderkrabbeln und Elternabend, zwischen Beikost und Ferienlager. Sie schreiben im Wechsel.