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"Music was my first love, and it will be my last", sang John Miles einst in seinem legendären Song "Music". Ich denke, diesen Satz können viele Menschen unterschreiben. Mir geht es jedenfalls so. Und auch mein zweieinhalbjähriger Sohn scheint in diese Kerbe zu schlagen – oder zu trommeln. Denn während ich zwar viel Musik höre und gern in Duschqualität mitsinge, aber ansonsten wenig Ahnung von der Materie habe, kristallisiert sich bei ihm immer mehr heraus, dass er ein ernsthaftes Interesse am Musizieren hat. Klar, werden viele Leser sagen, mein Kind war auch so in diesem Alter. Und natürlich kann sich das auch noch komplett rauswachsen.
Wenn ich meinen Sohn jedoch auf einen Haufen Spielzeug loslasse, in dem sich auch nur die kleinste Rassel befindet, schiebt er Autos, Bagger und Plüschtiere zur Seite und greift zielsicher nach dem Instrument. Während der Feiertage haben wir uns mit Freunden und ihren Kindern in einer Kita getroffen, in der auch ein Klavier stand. Er konnte die Finger keine fünf Minuten davon lassen, während die anderen Kinder nach kurzem Ausprobieren das Interesse wieder verloren.
Wenn er in sein Kinderzimmer verschwindet, ist meist nach kurzer Zeit zu hören, wie er auf seine Trommel oder sein Xylofon eindrischt oder singend mit seiner Ziehharmonika durchs Zimmer läuft.
An Weihnachten sang er voller Inbrunst sämtliche Weihnachtslieder mit, die er sich schon merken konnte – von "O du fröhliche" über "Stille Nacht" bis zu "Jingle Bells". Das singt er auch nach Weihnachten weiterhin fast täglich: Seine Kindergitarre, die er von Oma und Opa geschenkt bekommen hat, hält er dabei wie eine Violine, den Gitarrenhals nach vorn gerichtet und zwischen Schulter und Hals geklemmt. Während er darauf herumschrabbelt, wiederholt er endlos die ersten beiden Verse: "Jingle bells, jingle bells, jingle all the way, jingle bells, jingle bells, jingle all the way ..."
Zuvor hatte er eine heftige Schlagerphase. Wochenlang war "Marmor, Stein und Eisen bricht" von Drafi Deutscher sein Lieblingslied, das er komplett auswendig konnte. Dazu kamen dann "Theo, wir fahr’n nach Lodz" von Vicky Leandros und später "Da, da, da" von Trio. Klar, der Text ist etwas dankbarer für Kleinkinder. Der Bub besteht auch darauf, dass wir diese Lieder regelmäßig über die Bluetooth-Box abspielen. Dann setzt er sich in eine Ecke und lauscht dem Text aufmerksam, bis er anfängt, einzelne Passagen mitzusingen.
Zuweilen kann es seinen armen Eltern natürlich wahnsinnig auf die Nerven gehen, wenn sie morgens um 7.30 Uhr schon zum vierten Mal "Weine nicht, wenn der Regen fällt, DAMM DAMM, DAMM DAMM ..." hören oder der Zweieinhalbjährige ihnen ins Gesicht grölt: "Du liebst mich nicht, ich lieb dich nicht – aha!"
Ich bin zwar kein großer Schlager- bzw. Deutsche-Welle-Fan, aber zwei Dinge sind mir aufgefallen. Erstens: Wie viele Schlagertexte man unweigerlich auswendig kennt, selbst wenn man sie nie freiwillig hört. Und zweitens: Wenn man sie oft genug hört, klingen sie irgendwann gar nicht mehr so schlimm.
Trotzdem bin ich froh, wenn diese Phase vorüber ist und mein Sohn sich hoffentlich dem Jazz zuwendet. Immerhin hat er an unserem Plattenspieler, den er nur allzu gern bedient, schon ein paar Mal von sich aus Nina Simone aufgelegt. Und als ich ihn neulich bat, "coole Musik" auszusuchen, entschied er sich für den "Star Wars"-Soundtrack von John Williams. Da hüpft das Vaterherz vor Stolz!

