Verschiedene Gewürze in geöffneten Dosen
Neues auszuprobieren, macht Spaß. Versucht es mal!
Privat
Gewürze
Traut euch was!
Zu viele Gewürze im Küchenschrank? Kein Problem, im Gegenteil. Das ist eine super Ausgangsbedingung für ein tolles Essen. Willkommen in der Experimentierküche!
Nicole Keller
02.04.2025
3Min

Wie so viele andere Menschen horte auch ich ein paar "Karteileichen" in meiner Gewürzsammlung. Sorten, die ich manchmal so lange nicht genutzt habe, dass ich ratlos davorstehe. Weil es vielen Menschen, die ich kenne, ähnlich geht, kommt hier mein Küchenhack: ein experimentelles und inspirierendes Gewürz-Test-Suppenessen!

Alles beginnt mit dem ersten Schnuppern.

In meiner Gewürzmanufaktur, die ich vor 22 Jahren mit meiner Mutter zusammen eröffnet habe, erlebe ich es immer wieder: Menschen, die zum ersten Mal den Duft eines wirklich exotischen Gewürzes "erschnuppern" und sich in diesen Duft verlieben. Wenn sie mir später erzählen, dass eben dieser Duft sie zu einem Kochexperiment verführt hat, bin ich glücklich. Genau das möchte ich erreichen.

Begleiterscheinung dieser Experimente sind die vielen Gewürze in unseren Küchenschränken. Mal haben uns die Nachbarn etwas mitgebracht, dann wieder waren wir im Urlaub und wollten unbedingt dieses exotische Gericht nachkochen - nun stehen schwarzer Kardamom und Tonkabohne seit Monaten in der hintersten Ecke und werden nicht besser.

Was tun?

1. Sich einen Überblick verschaffen
Alle Gläschen, Dosen und Tiegel, auch die aus der hintersten Ecke, rausholen. Der Blick auf das MHD (Mindesthaltbarkeitsdatum) ist hier wenig aussagekräftig, fast immer sind Gewürze länger haltbar. Sie entfalten ihre Kraft auch nach vielen Jahren, besonders wenn sie im Ganzen und nicht gemahlen sind.

2. Gewürze durchschnuppern

Das wichtigste Instrument beim Gewürze-Revival: die eigene Nase. Also alles, was ihr rausgeholt habt, öffnen und daran schnuppern. Versucht das mal: Schließt Eure Augen, schnuppert Euch durch. Einmal, dann am besten noch einmal. Geht dichter ran, seid mutig. Toll, oder?

Riecht der Inhalt gut, macht der Geruch Appetit? Super, gleich auf die behalten-Seite schieben. Einige Bestandteile wie Kräuter, Tomate oder Chili dunkeln mit der Zeit nach. Keine Sorge, das ändert nichts an ihrer Gewürzkraft. Erst wenn gar kein Duft mehr rüberkommt oder es muffig und unangenehm riecht, ist es Zeit, dass sich die Wege trennen.

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3. Testen und schmecken
Alles, was Ihr jetzt vor Euch aufgebaut habt, kommt auf den Esstisch. Und Ihr an den Herd. Jetzt braucht es eine simple, ungewürzte Basis. Das kann ein großer Topf fein gebutterter Basmatireis sein. Oder Ihr macht die schnelle Kartoffelsuppe aus dem Rezept weiter unten.

Jetzt versammelt Ihr Eure Lieblingsmenschen um Euren Tisch und legt los: Jeder Löffel wird heute anders gewürzt. Vom geräucherten Paprika bis zum thailändischen Hochzeitscurry - was immer Ihr in den Tiefen Eures Gewürzschrankes gefunden habt, kommt so zum Einsatz.

Ich verspreche: Die Ideen für weitere Anwendungsbereiche und Rezepte kommen Euch bei dieser Art von Dinner von ganz allein! Und es macht jede Menge Spaß.

Mit meinen zwei Söhnen esse ich die Kartoffelsuppe fast ausschließlich auf diese Weise - nur des Erlebnisses wegen. Und auch mir, die ich mich eigentlich wirklich gut mit Gewürzen auskenne, begegnet so der eine oder andere vergessene Gewürzschatz wieder. Meine spontanen Ideen für Gerichte und Rezepte notiere ich mir, bevor alles wieder ordentlich zurückgeräumt und mit einem vorfreudigen "bis bald!" in den Gewürzschrank gestellt wird.

Infobox

Schnelle Kartoffelsuppe

für 4 Personen

800 g Kartoffeln (mehlig kochend)

1 Bund Suppengrün

1 El Olivenöl

1 EL Gemüsebrühe (Pulver) in ca. 1,5 l Wasser aufgelöst

150 g Creme fraîche oder Frischkäse

etwas Salz

Die Kartoffeln schälen und in kleine Stücke schneiden.

Möhren schälen, restliches Suppengrün waschen / putzen und ebenfalls in kleine Stücke schneiden.

Öl in einem großen Topf erhitzen, Kartoffel- und Gemüsestücke hineingeben, leicht salzen und unter Rühren kurz andünsten. Mit der Brühe aufgießen, sodass alles mit Flüssigkeit bedeckt ist. Aufkochen lassen und etwa 15-20 Minuten köcheln lassen, bis das Gemüse weich ist.

Den Herd auf kleinste Flamme stellen, dann wahlweise Creme fraîche oder Frischkäse unterrühren und alles mit dem Pürierstab zu einer sämigen Suppe pürieren. Bei Bedarf mit etwas Salz abschmecken.

Und dann: Jeden Löffel anders würzen!
Guten Appetit

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Kolumne

Katharina Wilck

Die Freude an gutem Essen und das Erzählen schöner Geschichten, das sind zwei große Leidenschaften von Küchenzeile-Autorin Katharina Wilck. Und bitte alles immer gut gewürzt, denn die gelernte Journalistin mischt in ihrer Hamburger Manufaktur spannende Gewürze zusammen. Jeden zweiten Mittwoch.