Pornos als Tabu?
Es sollte um gleichberechtigte Lust gehen
Sind Pornos schädlich? Ein Interview mit der Pornowissenschaftlerin Madita Oeming
Leicht geöffneter Mund mit rotem Lippenstift. Symbolfoto für Lust und Erotik
Die Funktion von Sex als Mittel zur Reproduktion prägt bis heute die westliche Sexualmoral, obwohl wir eigentlich seltener und seltener zu diesem Zweck Sex haben
nikl/photocase
Tim Wegener
Aktualisiert am 05.07.2024
9Min

Wenn Eltern auf dem Smartphone ihrer jugendlichen Kinder pornografische Bilder oder Videos finden, wie sollten sie reagieren?

Madita Oeming: Möglichst wertfrei und unspektakulär. So gut es geht das Drama und die Schuld rausnehmen. Das öffnet viele Türen, um ein Gespräch miteinander zu finden: Ist das etwas, worüber ihr im Freundeskreis redet? Beschäftigt dich das? Wie geht's dir damit? Hast du irgendwelche Fragen?

Mehr als jeder Dritte Minderjährige hat schon einmal einen Porno gesehen, häufig unfreiwillig. Was macht das mit der sexuellen Entwicklung junger Menschen, wenn sie früh Kontakt zu Pornografie haben?

Die Sorge vor der übersexualisierten, sexuell verwahrlosten Jugend, einer "Generation Porno", zeichnet sich in den Zahlen zu Jugendsexualität nicht ab. Jugendliche haben heute tendenziell später Sex als vor 20 Jahren. Sie verhüten sicherer. Das wäre ja zum Beispiel ein Indikator für ein Abgucken von sexuellen Skripten aus Pornos, wo Safer Sex in aller Regel keine Rolle spielt. Grund zur Panik sehe ich derzeit keinen, aber durchaus Handlungsbedarf.

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Ein uralter Schlager, der seinen Weg durch etliche Jahrzehnte gemacht hat. Natürlich ist Pornografie keine Liebe, aber ein Weg. Meine Eltern haben noch geschwiegen, was über Sex zu erfahren war, fand auf der Straße statt und immer mit dem Stempel "Igittigitt". In ausgegrabenen Tempeln und Häusern fand man "pornografische Darstellungen" das galt als Kultur. Die Liebe, körperlich und seelisch, betrachte ich als eine Art Religion und ich freue mich, das Chrismon dieses Thema angeht und auf den richtigen Weg bringt. Gegen die erheblichen Gewaltfilme in den Medien sagt keiner was, aber wehe es huscht eine gutgewachsene, junge Frau nackt über die Leinwand. Das Elend mit der Scheinheiligkeit beginnt.....
Übrigens . die Zahlen stimmen nicht. Statistik halt.

Diese Frage kann theologisch nur mit Ja beantwortet werden. Liebe kann Sünde sein. Diese Aussage ist aber nur dann richtig, wenn Sünde nicht ― wie die wohl weitaus größte Mehrheit der 'aufgeklärten' Zeitgenossinnen und Zeitgenossen das (nicht erst seit heute) tut ― als Moral missverstanden wird, sondern als 'übermoralischer' (transmoralischer) Sachverhalt. Sünde ist der Riss, der durch jeden Menschen hindurchgeht, der Grund-Riss des Menschseins. Sünde individualisiert den Menschen und macht ihn zu einem unverwechselbaren, einzigartigen. Sünde manifestiert sich zum einen als Weltentfremdung: Der Neandertaler muss den Mammut töten, um sich kleiden zu können. Nur so entgeht er dem Tod durch Erfrieren. Sünde manifestiert sich zum anderen als Selbstzerrissenheit. Ich kann und muss über mich nachdenken. Ich bin daher nicht mit mir eins. "Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust" (Goethe, Faust). Beide Gestalten einer transmoralisch verstandenen Sünde sind für das Dasein unumgänglich. Sie markieren das unstillbare Begehren, welches uns in der Welt hält und weiter treibt, und kommen gerade beim Thema Liebe und Sexualität zur Geltung. Denn Liebe und Sexualität zielen bei ihrem Höhepunkt auf eine Aufhebung von Weltentfremdung und Selbstzerrissenheit, woraus neues Leben entstehen kann.

(weiter dazu: Evangelischer Taschenkatechismus, CMZ-Verlag Rheinbach; 4., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage 2013, S. 242ff.)

Nach zweckmäßigen Schritten davor - Mann und Frau, Mann und Mann, Frau und Frau, solo - kommt es zu vermehrter Durchblutung des Genitalbereiches und unwillkürlichen, rhythmischen Muskelkontraktionen. Das Ganze dauert weniger als eine Minute und wird im Regelfall als sehr angenehm empfunden. Es heißt sexueller Höhepunkt. Im intravaginalen Heterofall und bei Samenerguss kann es dann zu einem Baby kommen. Erwünscht oder unerwünscht.

Um sich das Ganze zu verfabeln als "eine Aufhebung von Weltentfremdung und Selbstzerrissenheit" muss man sich die Welt theologisch erklären. In Folge davon kann auch ohne Gott der Künstler und Philosoph zu ähnlich unfreiwillig komischen Vorstellungen gelangen und dicke Bücher damit vollschreiben.

Ich wünsche Allen und Allinnen viel Spaß beim nächsten Orgasmus!

Fritz Kurz

Na denn, Ich wünsche Ihnen und Ihrer Partnerin (bzw., falls das Ihre Präferenz oder Ihre - legitime - Ausrichtung ist, Ihrem Partner) viel Spaß bei der perfekten Kommunikation zu zweit vor, während und nach Ihrem nächsten Samenerguss aus dem Portfolio der Gelehrsamkeit!

Mein Name ist Blond. James Blond. Ich habe die Lizenz zum Röten und Erröten. In meinem Reisepass ist, freilich, ein anderer Name eingetragen.

Lieber blonder Engel, haben Sie Dank für Ihre guten Wünsche zu meinem Sexualleben! Und dann noch die vorsichtshalber erteilte Erlaubnis, von Heterosexualität abweichen zu dürfen! Wer wollte da noch dem üblen Verdacht nachgehen, der Glaube an den Grundriss des Neandertalers, gleich ob schwachsinnig theologisch oder starksinnig theologisch betreut, wäre mal wieder der Auftakt zur Lustfeindlichkeit?

Das mit der Mammutjagd und den Neandertalern findet seine Erklärung wohl nicht in einzigartiger, unverwechselbarer Sünderei, sondern in anderen Gegebenheiten. Für Interessierte:

https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0047248414002474?via%3Dihub

Eine deutschsprachige Besprechung dazu:

https://www.archaeologie-online.de/nachrichten/mammut-nur-nahrungsergaenzung-bei-neandertalern-2726/

Fritz Kurz

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Pornografie bedeutet etymologisch Darstellung von Unzucht/Hurerei.
Die Christliche Botschaft zu diesem Thema könnte klarer nicht sein:

"Wisset ihr nicht, daß die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden?
Lasset euch nicht verführen!
Weder die Hurer (=pornoi) noch die Abgöttischen noch die Ehebrecher noch die Weichlinge noch die Knabenschänder,
noch die Diebe noch die Geizigen noch die Trunkenbolde noch die Lästerer noch die Räuber werden das Reich Gottes ererben."
1. Korinther 6,9f

Selbst säkulare Aktivisten belegen mit buchstäblich tausenden wissenschaftlichen Studien die Gefahr des Pornografie Konsums:

https://www.yourbrainonporn.com/de/relevant-research-and-articles-about-the-studies/

Auch die Herstellung von Pornografie hinterlässt nachweislich bleibende Schäden bei den "Performern":

https://www.nytimes.com/roomfordebate/2012/11/11/does-pornography-deserve-its-bad-rap/pornography-does-lasting-harm-to-performers

Doch äußerst befremdlich auf evangelisch.de Pornografie anhand des vorgestellten Buches so unkritisch und einseitig darzustellen; sowohl wissenschaftlich als auch theologisch.

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Pornos sind in unserer Gesellschaft stigmatisiert ????? Hääähhh?????

In welcher Gesellschaft leben SIE denn, Frau Wissenschaftlerin?

Blöderweise hat mein Freund Ihre 'Gesellschaft' beim Schummeln im Dienst erwischt:

"Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln: (...) keine Pornografie (...)"

— so chrismon in seinen Regeln hier für *Neue Leserpost schreiben".

Das ist in etwa so peinlich, wie wenn eine evangelische Kirchenfürstin oder ein evangelischer Landesbischof hier erklärte: Das Thema "Gott" ist in unserer Gesellschaft stigmatisiert. Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln: (...) keine Theologie (...) — LOL!

"Zwischen Leber und Milz passt immer ein hobbyhurerisches Pils." — Gute Nacht, evangelische Kirche, schlaft schön weiter ... und träumt 'was Argloses!

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Sehet und da ist die katholische Kirche noch weit entfernt, denn alles was Spaß macht, ist Sünde. Aber Kinder missbrauchen nicht. Eine seltsame Welt, Waffen segnen, Sex verteufeln. Aber selber Teufel sein, o.k. ? Diese Scheinheiligkeit treibt mich immer wieder an. Das hat mit einer gesunden Religion nichts zu tun.