Demokratie
"Faschismus lebt von der Verklärung der Vergangenheit"
Ostalgie liegt voll im Trend, sagt der DDR-Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk: Sie geht längst über harmlose Schwelgereien am Küchentisch hinaus, wird politisch instrumentalisiert
Ein Mann betrachtet während einer Wahlkampfveranstaltung der rechtsextremen Partei "Alternative für Deutschland" (AfD) ein Simson-Moped, auf dem eine Werbung für die Partei zu sehen ist
In der Simson S50/51 sieht die AfD ein Kultobjekt, das für eine "ostdeutsche" Heimat steht
Jens Schlüter/AFP/Getty Images
Lino WimmerLisa Bittner
13.07.2026
7Min

chrismon: Vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern fordern Sie in Ihrem neuen Buch, die Demokratie müsse widerstandsfähiger werden. Was heißt das?

Ilko-Sascha Kowalczuk: Die Mehrheit der Deutschen will Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschlichkeit bewahren. Aber wir müssen uns viel mehr einmischen, in Dörfern, Vereinen, in der Kneipe. Und damit das gelingt, sollten wir uns zunächst bewusst machen, was auf dem Spiel steht. Also sage ich: Liebe Leute, kommt raus aus dieser Jammerecke.

Aus der Jammerecke?

Deutschland ist eines der reichsten, politisch stabilsten, wirtschaftlich stärksten und sozial sichersten Länder der Welt. 95 Prozent der Menschheit würden gern so leben wie wir. So wie wir in Deutschland leben, hat noch nie eine Gesellschaft in der Weltgeschichte gelebt. Auch wenn es wahnsinnig viel zu verändern gibt, angefangen mit der sozialen Ungerechtigkeit.

Sie schreiben, wer AfD wählt, sei Faschist. In Sachsen-Anhalt haben das laut Umfragen rund 40 Prozent vor. Sind diese Wähler für die Demokratie verloren?

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