chrismon: Herr Heimowski, erinnern Sie sich an Ihren ersten Gedanken, als Felix Nmecha nach dem Spiel mit Spielern aus Curaçao betete?
Uwe Heimowski: Mich hat die Szene fasziniert. Fußball lebt davon, dass man gegeneinander spielt, gewinnen will, manchmal sogar aneinandergerät. Und dann sieht man nach dem Abpfiff Menschen aus unterschiedlichen Ländern, die miteinander beten. Ich fand das wirklich ein tolles Bild für Völkerverständigung.
Die "Taz" empörte sich darüber, dass sich hier christliche Religiosität öffentlich zeigt. Die Zeitung "Die Welt" lobte das Gebet als Rückkehr zu guten alten Zeiten. Haben Sie mit so einer Kontroverse gerechnet?
Nein, da ich erst mal nichts Kontroverses daran wahrgenommen habe: Nmecha hat niemanden aufgefordert, Christ zu werden. Er hat niemanden belehrt. Er hat nach einem Fußballspiel gebetet. Deshalb hat mich eher überrascht, wie schnell diese Szene auf dem Rasen in größere gesellschaftliche Debatten hineingezogen wurde. Dabei ist Glaube im Fußball ja gar nichts Neues. Antonio Rüdiger spricht offen über seinen Glauben. David Alaba hat Jesus-Shirts getragen. Viele südamerikanische Spieler bekreuzigen sich vor dem Anpfiff oder zeigen, wie etwa Messi, nach Toren zum Himmel. Normalerweise nehmen wir das als Teil ihrer Persönlichkeit wahr.
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"Ballers in God" (BIG) ist ein christliches Netzwerk, das sich vor allem an Profi- und Nachwuchsfußballer richtet. Gegründet wurde es vom ehemaligen englischen Fußballprofi John Bostock. Über soziale Medien, Podcasts und Veranstaltungen wirbt die Initiative für einen öffentlich gelebten christlichen Glauben und erreicht damit Hunderttausende Menschen.
In die Kritik geriet BIG wegen einzelner theologischer und politischer Bezüge im Umfeld der Plattform. Beobachter verweisen auf Kontakte zu Vertretern charismatisch-evangelikaler Bewegungen, die unter anderem das sogenannte Wohlstandsevangelium propagieren oder sehr konservative Positionen zu Geschlechterrollen und Sexualität vertreten. Dass prominente Unterstützer der Initiative sämtliche dieser Positionen teilen, lässt sich daraus jedoch nicht automatisch ableiten.




