Auf dem rechten Oberarm: ein Wolf. Auf der Hand: ein Steuerrad. Auf dem linken Arm: Nägel. Christoph Rothhaupt hat viele Tattoos, der Wolf steht für den Dämon, den er besiegt hat. Das Steuerrad gibt ihm Mut und die Nägel stehen für den Schmerz, der ihn quält. Die Tattoos erinnern ihn an die dunkelsten Zeiten seines Lebens – und mahnen ihn, auf sich zu achten. "Sie sind meine Narben", sagt Rothhaupt, 42, die Zeugnisse einer schrecklichen Krankheit: Depressionen. Er kämpft seit mehr als zehn Jahren dagegen, doch manchmal platzen die Narben wieder auf.
Christoph Rothhaupt, Landwirt, Vater von zwei Kindern, muskulöse Oberarme, sitzt in der Küche seines Elternhauses. Die Einrichtung ist rustikal: eine Eckbank aus Holz, ein Kruzifix mit einem Weidenkätzchen-Zweig an der Wand. So gehört es sich in Bad Neustadt an der Saale, ganz im Norden von Bayern. Zumindest denken das viele hier in den Dörfern der Rhön.
Rothhaupt wohnt schon lange in seinem eigenen Haus ganz in der Nähe. Aber hier saß er jeden Tag mit seinen Eltern zusammen. Zum Frühstück, zum Abendessen oder um zu besprechen, was an diesem oder jenem Arbeitstag zu erledigen war. Rund 70 Milchkühe standen damals im Stall nebenan, dazu kamen mehr als 100 Hektar Fläche, die es zu bestellen galt. "Schon immer wurden auf dem Hof Milchkühe gehalten", sagt er, Tradition seit vier Rothhaupt-Generationen. Jetzt steht der große Stall für die Milchkühe leer, der Bruder bewohnt das Elternhaus.
Mit dem Tod des Vaters fing alles an. Er starb 2014, Organversagen. Für den jungen Landwirt ein Schock: Plötzlich war sein Vater gestorben – aber auch sein Geschäftspartner und Arbeitskollege. Rothhaupt, damals 30, musste den Hof von nun an allein führen. "Das hat extremen Druck aufgebaut", erinnert er sich. "Ich wollte nicht der sein, bei dem der Betrieb den Bach runtergeht." Mit der landwirtschaftlichen Tradition der Familie zu brechen, daran war nicht zu denken.
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Speziell für Landwirte gibt es die Krisenhotline der Landwirtschaftlichen Sozialversicherung: 0561/785-10101, rund um die Uhr, auch anonym. Mehr Infos über www.svlfg.de/gleichgewicht.
Für Jugendliche und Kinder bietet die Nummer gegen Kummer Hilfe: 116 111, anonym und kostenlos vom Handy und Festnetz, montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr. Man kann sich unter www.nummergegenkummer.de auch online beraten lassen – per Mail oder Chat.
In akuten Notfällen ist auch der Euronotruf unter 112 kostenlos und in Europa länderübergreifend erreichbar.






