Früher sagte man "So ein Zappelphilipp!", wenn ein Kind nicht stillsitzen konnte und immer unter Strom stand. Man hat diese Kinder nicht selten mit Gewalt versucht zu zwingen, "normal" zu sein. Heute ist die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung bekannt, kurz: ADHS. Aber ist das eine Krankheit? Etwas, wovon man geheilt werden muss? Die Autorin Angelina Boerger hat den Bestseller "Kirmes im Kopf" über ihr Leben mit ADHS geschrieben und sagt: "Ich möchte mein ADHS trotz allem um keinen Preis hergeben."
Was wir als krank bezeichnen, ist nicht selten Aushandlungssache und hat sich in der Geschichte oft geändert – das zeigt auch das Beispiel ADHS. Zwar wird niemand ernsthaft bestreiten, dass Krebs oder eine Mandelentzündung Krankheiten sind: Damit geht man zum Arzt, um sie möglichst loszuwerden, um geheilt zu werden, um gesund zu werden.
Aber auch was "gesund" heißt, ist nicht einfach klar. In der 1948 in Kraft getretenen Verfassung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) heißt es, Gesundheit sei "ein Zustand vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens". Doch diese Gesundheitsvorstellung ist ein Ideal, hinter das wir im Leben immer zurückfallen werden – ob wir wollen oder nicht. Es hat wohl nie einen Menschen gegeben, der in einem so ganzheitlichen Wohlergehen gelebt hat.
Krankheit und Gesundheit sind keine religiösen Begriffe, ursprünglich. In der Bibel gibt es dennoch viele Heilungsgeschichten. Besonders von Jesus wird in den Evangelien erzählt, dass er Blinde sehend gemacht hat oder Lahme wieder laufend. Im Lukasevangelium treffen zehn Aussätzige auf Jesus, er heilt sie und spricht anschließend zu einem der Geheilten: "Dein Glaube hat dich gerettet."
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