chrismon: Sie haben bisher vor allem Sachbücher und Biografien geschrieben, etwa über Daniel Cohn-Bendit und Inge Meysel - wieso jetzt einen Roman?
Sabine Stamer: Das war schon immer ein Wunsch von mir. Ich wollte sehen, ob ich das kann. Jetzt bot es sich an, weil ich mit vielen Betroffenen und Angehörigen gesprochen habe, die sehr offen über ihre Erfahrungen gesprochen haben, aber nicht erkannt werden möchten. Daher wählte ich das Fiktionale – so bleiben sie anonym. Die Geschichte von Miss Sonderbar und ihrer Familie ist so nie passiert. Viele einzelne Begebenheiten, Gefühle und Ereignisse im Buch beruhen jedoch auf realen Erlebnissen.
Wann kam Ihnen die Idee?
Das ist schon ziemlich lange her. Eine Freundin erzählte mir vor über zehn Jahren, dass ihr Kind an Schizophrenie erkrankt ist. Klischees wie "Dr. Jekyll und Mr. Hyde" sind bekannt. Als Journalistin wollte ich das besser verstehen – also begann ich zu recherchieren. Später ermutigte mich mein jetziger Mann, dessen erste Frau unter einer psychischen Erkrankung litt, die Suche nach einem Verlag zu intensivieren.
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Der Roman "Miss Sonderbar"
Inhaltsangabe "Miss Sonderbar":
Britta ist ein besonderes Kind – klug, sensibel und eigenwillig. Doch im jungen Erwachsenenalter verändert sich etwas in ihr. Ihre Eltern beobachten hilflos, wie ihre Tochter zunehmend von Verwirrung, Ängsten und Wahnvorstellungen beherrscht wird. Was zunächst wie eine schwierige Lebensphase aussieht, entpuppt sich als schwere psychische Erkrankung. Britta schwankt zwischen klaren Momenten und tiefen Abstürzen, zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Sie verliebt sich in Jörg, heiratet, bekommt ein Kind – und doch gerät ihr Leben immer wieder aus den Fugen. Während Jörg langsam erkennt, dass seine Frau Hilfe braucht, kämpft Ruth, die Mutter, unermüdlich darum, Britta zu stützen. Doch Liebe und Fürsorge stoßen an Grenzen, wenn Krankheit, Obdachlosigkeit und die Tücken des psychiatrischen Systems übermächtig werden.
