Klimawandel
Wohin mit der Wut, dass andere weiter in den Urlaub fliegen?
Fliegen ist klimaschädlich. Wie sollte man auf Freundinnen und Nachbarn reagieren, die es trotzdem immer wieder tun? Tipps zur Gesprächsführung
Illustration zweier Frauen. Eine trinkt entspannt Kaffee, während die andere wütend ein kleines Flugzeug verknotet
Trotz Klimawandel fliegen viele Menschen weiterhin in den Urlaub. Das kann wütend machen
Kati Szilagyi
undefinedGEP
Aktualisiert am 02.07.2026
2Min

Uta G. aus Bielefeld fragt:

Ich bin Ärztin, Nachbarin, Freundin. Viele Leute erzählen mir von ihren Flugreisen. Sie sagen dann manchmal: "Ich habe ja ein schlechtes Gewissen deswegen" – aber dann buchen sie doch wieder den nächsten Flug. Ich war schon immer umweltbewusst und versuche, jede Autofahrt zu vermeiden. Dass wir ein schwerbehindertes Kind haben, macht Reisen für uns sowieso schwierig. Aber auch wenn wir freier wären, würde ich nicht fliegen. Wie kann ich auf diese Geschichten rea­gieren? Ich will die Leute ja auch nicht mit meiner Wut überschütten.

Stefanie Schardien antwortet:

undefinedGEP

Stefanie Schardien

Dr. Stefanie Schardien, geboren 1976, ist Theologin und seit 2024 Theologische Geschäftsführerin des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik. Von 2019 bis Ende 2024 gehörte sie zum festen Team der ARD-Sendung "Das Wort zum Sonntag".

Die gute wie bittere Nachricht: Der letzte Sommer mit seinen Dürren und Waldbränden hat vermutlich mehr Überzeugungsarbeit geleistet als jede Diskussion. Viele kennen aber auch Ihre Verzweiflung – immer wenn ihr "Herzensthema" nicht genügend beachtet wird.

Bei ­Ihnen und vielen ist es das Klima, bei anderen Tierschutz. Wieder andere ertragen keine unsen­sible Sprache oder verzweifeln am mangelnden Kampf gegen Armut und Hunger, für Frieden oder Opfer von Gewalt. Alles wichtig. In der besten aller Welten würden sich alle um alles kümmern und gut handeln.

Lesetipp: Warum Menschen sich nach Verzicht sehnen

In der Realität holt selbst aufmerksame Menschen wie Sie die ernüchternde Einsicht ein: Das schaffe ich überhaupt nicht alles! Werden Sie trotzdem nicht müde zu betonen, wie sehr jeder einzelne Beitrag zählt. Weil jeder einzelne, auch jeder noch so winzige davon dieses Leben nachhaltiger oder gerechter macht. Was ist nun mit der Einsicht, selbst auch nie ein vollkommener "Gutmensch" zu sein? Mich macht ­sie demütiger und vorsichtiger in scharfen Urteilen über andere.

Wenn im nächsten Gespräch ­andere Ihren Ansprüchen nicht ­genügen, erinnern Sie sich, dass das umgekehrt bei ­anderen Herzensthemen mög­licherweise auch gilt. Und dass andere wahrscheinlich auch in ihrer Unvollkommenheit Gutes tun, von dem Sie noch nichts ­ahnen.

Dieser Text erschien erstmals am
Die Kommentarfunktion ist nur noch für registrierte Nutzer verfügbar. Um einen Leserkommentar schreiben zu können, schließen Sie bitte ein Abo ab, schreiben Sie uns eine Mail an leserpost@chrismon.de oder diskutieren Sie auf Instagram, Facebook und LinkedIn mit.