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Ein Glück, dass sich die deutschsprachige Gegenwartsliteratur nicht auf einen Nenner bringen lässt! Der Österreicher Wolf Haas, bekannt geworden durch seine Simon-Brenner-Krimis, hat mit herkömmlich realistischer Prosa nichts im Sinn. "Wackelkontakt" betreibt ein raffiniertes Roman-im-Roman-Spiel.
Der Puzzleexperte und Trauerredner Escher bestellt einen Elektriker, der bei der Arbeit zu Tode kommt, und liest gern Bücher über die Mafia. Über den unter Zeugenschuz stehenden Elio zum Beispiel, der wiederum ein Buch liest, in dem ein Mann namens Escher die Hauptrolle spielt. Aus dieser Konstellation entwickelt sich ein kluges, sehr witziges Erzählexperiment, dessen beide Stränge am Ende kunstvoll zusammengeführt werden.
Julia Schoch hingegen gilt – auf den Spuren von Annie Ernaux – als Meisterin der "Autofiktion". Mit "Wild nach einem wilden Traum" schließt sie ihre Trilogie "Biographie einer Frau" ab und erinnert sich bewusst sprunghaft an Schlüsselepisoden wohl ihres eigenen Lebens.
Damals, als sie als junge Autorin an einem Workshop im Hudson Valley teilnimmt und – obwohl sie verheiratet ist – der Aufforderung eines katalanischen Kollegen, ihr ins Bett zu folgen, sofort nachkommt. Oder als sie als Mädchen in einer ostdeutschen Garnisonsstadt im Wald auf einen "Soldaten" trifft. Beide Begegnungen im Nachhinein heraufbeschwörend, versucht Schochs Ich-Erzählerin, die eigene Identität einzukreisen.