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Musliminnen und Muslime sind eine relevante Gruppe in der Politik geworden. Bei der Wahl in Berlin haben im September 51 Prozent von ihnen die Linke gewählt. Das ist ein bemerkenswert klares Ergebnis. Als muslimischer Theologe geht es mir hier natürlich nicht um Parteinahme für die eine oder andere Seite, sondern darum, dieses Phänomen zu verstehen: Wieso wählen so viele Muslime links? Und wie kann man diese suspekte Annäherung zwischen der Berliner Linkspartei und den Islamisten erklären? Auf der Wahlparty der Linken wurden berüchtigte islamistische Clanchefs gesichtet, und der Neuköllner Linke-Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak lässt seine Ämter ruhen, nachdem ein vertraulicher Chat mit einem Islamisten öffentlich wurde.
Eigentlich ist es verwunderlich, dass sich so viele Muslime ausgerechnet für eine Partei entschieden haben, die konservative islamische Werte wie etwa die Ausrichtung des Lebens nach der Religion und patriarchale Geschlechtervorstellungen ablehnt. Eine Erklärung, die ich schon öfter gehört habe: Muslime würden links wählen aus einer Haltung der Kränkung heraus, weil sie sich von den konservativen Parteien CDU/CSU und der Mehrheitsgesellschaft nicht anerkannt fühlten. Die Linke sei die einzige Partei, die ihnen das Gefühl gebe dazuzugehören.
Es gibt allerdings noch eine andere, unbequeme Erklärung: Viele Muslime wählen die Linke, weil sie den linken Antisemitismus teilen, der gerade in der Berliner Linken virulent ist. Der gemeinsame Feind lautet Israel. Für diese Erklärung spricht leider viel.
Viele Islamisten und nicht wenige Politiker und Mitglieder der Linken sehen in Israel eine weiße Kolonialmacht, die sich unrechtmäßig Land angeeignet und die dort lebenden Palästinenser vertrieben hat oder bis heute brutal unterdrückt. Viele Islamisten und Linke sprechen Israel deshalb das Existenzrecht ab oder gehen noch weiter und fordern, Israel müsse von der Landkarte verschwinden, alles Land "from the river to the sea" müsse palästinensich werden. Für diese Sichtweise habe ich keinerlei Verständnis.
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