Erziehung
Ist streiten lustig?
Manchmal wollen sich unsere Kinder einfach streiten. Dann hilft alles nichts. Woher kommt das eigentlich und was können wir alle dabei lernen?
Die Kinder tragen selbstgebastelte, bunte, lustige Pappmasken. Das eine Kind trägt eine Haifischmaske, das andere eine Dinosauriermaske.
Streiten, auch wenn es spielerisch ist, kann ganz schön anstrengend sein. Gehört aber dazu. Symbolbild.
Catherine Falls Commercial /Getty Images
Lena Uphoff
03.09.2026
3Min

Zur Zeit sage ich mir recht häufig: Reg dich nicht auf! Dass du als verbaler Boxsack benutzt wirst, ist gut so. Es dient einem höheren Ziel: dass die Kinder fit für diese Welt werden. Denn auch streiten muss man ja üben und dann wohl am besten mit uns Eltern.

Die Kinder sind manchmal ziemlich streitlustig. Diese deutsche Wort gefällt mir übrigens sehr gut, denn es passt genau zu ihrem Zustand: Sie haben Lust, sich zu streiten - und trotz allem Ernst ist dieses Streiten auch irgendwie lustig.

Aber zuerst ist es anstrengend. Erst heute Morgen wieder: Eigentlich war es eine harmlose Frage. Welche Aufgaben solltet ihr im Deutschtest lösen, fragte ich. Einer unserer Söhne hatte angefangen, von diesem Test zu erzählen. Der Lehrer habe gesagt, dass der Test nicht so gut ausgefallen sei, dass er aber vielleicht eine Zwei habe. Auf meine Rückfrage hatte er offenbar keine Lust: Keine Ahnung, war seine Antwort.

Ich habe nochmal nachgefragt: Aber irgendwas musst du doch noch wissen, ist ja noch nicht so lange her, oder? Wieder: Nein, keine Ahnung. Dann ich wieder: Das kann doch nicht sein. Er: Keine Ahnung. Und so ging das noch ein bisschen weiter, bis ich sauer wurde und er auch und wir uns darüber stritten, ob es sein kann, dass er sich überhaupt gar nicht mehr, also nulkommanull, an den Test erinnern könne, der gerade erst zwei Wochen her ist.

Als Vater dürfte man über dieses ständige Streiten eigentlich nicht überrascht sein – denn man war ja selbst mal Kind und Jugendlicher. Und doch kommt es recht unerwartet.

Später hat mein Sohn mir dann doch noch erzählt, was ungefähr für Aufgaben im Deutschtest vorkamen. Wir haben uns auch wieder verstanden, alles war wieder gut, der Streit völlig vergessen. Und meine Erkenntnis, mal wieder: Es ging überhaupt nicht um die Sache. Es ging einfach darum, sich zu streiten. Er war streitlustig.

Und so wenig ich dieses Streiten auch leiden kann, so sehr sage ich mir eben doch: Das muss so sein. Denn irgendwo muss man ja lernen zu streiten. Und wenn ich ihm in solchen Situationen in die Augen schaue, die wütend in meine Richtung gerichtet sind, dann muss ich mich nicht selten zwingen, ihn nicht schnell in die Arme zu nehmen und ihm einen Kuss zu geben. Das wäre natürlich völlig unangebracht in dieser Situation, denn wir streiten ja gerade! Er würde sich zu Recht darüber aufregen und es sich auch nicht gefallen lassen.

Aber trotzdem: Ich bilde mir ein, durch die wütenden Augen ganz leicht seinen liebevollen Blick zu sehen, der mir sagt: Papa, komm streite dich mit mir. Nun bin ich wirklich kein guter Streiter. Ich streite mich eigentlich nie mit irgendjemanden und vermisse das auch überhaupt nicht.

Nur mit den Kindern streite ich. Doch so ein Streit ist natürlich etwas sehr Emotionales. Mittendrin ist es nicht leicht, sich zu sagen: Wahrscheinlich geht es gerade gar nicht um mich. Und noch schwerer ist es, nicht gewinnen zu wollen. Denn wenn schon streiten, dann wenigstens richtig. Also mit Gewinnen am Ende.

So kommt es dann manchmal dazu, dass ich in einem dieser Teststreits plötzlich selbst streitlustig werde. Dann funkeln wir uns durch unsere wütenden Augen an und hoffentlich scheint auch bei mir dieser kleine Schimmer durch, den ich bei unserem Sohn heute Morgen gesehen habe und der sagt: Bei allem Streit gerade liebe ich dich natürlich, unabhängig davon.

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Kolumne

Michael Güthlein
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Konstantin Sacher

Michael Güthlein und Konstantin Sacher sind Väter: zwei (Säugling, 3) und drei Kinder (7, 10, 12). Beide erzählen über ihr Rollenverständnis und ihre Abenteuer zwischen Kinderkrabbeln und Elternabend, zwischen Beikost und Ferienlager. Sie schreiben im Wechsel.