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In der Schulzeit hat sie es eigentlich kaum gemerkt. Beruf der Eltern, Herkunft – all das spielte auf dem humanistischen Gymnasium im westfälischen Altena keine große Rolle. Probleme beim Lernen hatte sie nicht: "Ich war einfach ein schlaues Kind", erinnert sich Nadine Hampel.
Dass sie "anders" war, merkte sie erst an der Universität. Wenn die Kommilitoninnen sich über ihre Erinnerungen an die Familienurlaube in Italien oder erste Praktika austauschten, schwieg Nadine lieber. Urlaub in ihrer Kindheit hieß zehn Tage Nordsee. Statt erste Berufserfahrungen zu sammeln, musste sie jobben, um Geld zu verdienen. Nadine Hampel ist ein Arbeiterkind, niemand aus ihrer Familie hatte vor ihr je studiert.
In Deutschland bestimmt immer noch die Herkunft den Bildungsweg. Statistisch gesehen beginnen 78 von 100 Kindern aus Akademikerfamilien ein Studium, bei Arbeiterfamilien liegt die Relation bei 25 von 100 Kindern.
Hampels Eltern waren mit beiden Töchtern nach dem Mauerfall aus Leipzig in den Westen gezogen und hatten neue Berufe finden müssen, der Vater als Logistiker, die Mutter im Einzelhandel. Auf die Tochter mit Abitur waren sie stolz. Doch wenn diese mit Fragen etwa zur Studienfachwahl kam, konnten sie ihr nicht helfen. Nadine hat sich ohne Hilfe durchgekämpft. Heute ist die 39-Jährige Rundfunkredakteurin beim MDR und fragt sich immer mal wieder: "Ich weiß im Rückblick nicht, woher ich die Kraft dazu genommen habe. Ich fühlte mich immer so allein."
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Während ihres Volontariats beim Rundfunk hatte ihr eine Kollegin vom Netzwerk Arbeiterkind.de erzählt und seitdem engagiert sie sich dort für junge Menschen an Schulen und Universitäten, die als Erste in ihren Familien eine akademische Laufbahn einschlagen wollen.
Dabei geht es nicht nur um den Erfahrungsaustausch, sondern auch um konkrete Informationen: zu psychosozialer Betreuung an den Unis oder zu Bafög oder der Möglichkeit, sich für ein Stipendium zu bewerben. Und weil Nadine in diesen Gesprächen immer auch die eigene Geschichte erzählt, wird sie zum Role Model.
Auch die Gründerin des Vereins Arbeiterkind.de, Katja Urbatsch, stammt aus einer Arbeiterfamilie. Nach ihrem Studium setzte sie eine Website auf, um Mitstudierende aus nicht akademischen Familien zu informieren und ein Netzwerk zu bilden. Aus der Website wurde eine gemeinnützige GmbH, deren Hauptaufgabe es heute ist, einige Tausend ehrenamtlich engagierte Menschen wie Nadine in 80 lokalen Gruppen in ganz Deutschland zu organisieren. Jedes Jahr gibt es gut 30.000 persönliche Kontakte in Schulen und Universitäten, die Website hat jährlich rund 500.000 Besuche, die gesamte Community zählt etwa 20.000 Menschen.
Nadine Hampel ist froh, dass sie junge Menschen in einem Lebensabschnitt unterstützen kann, in dem diese "ihre alte Welt schon halb verlassen haben, aber in ihrer neuen Welt noch nicht angekommen sind".
Arbeiterkind.de ist eine gemeinnützige GmbH und finanziert sich durch öffentliche Gelder, Stiftungen und private Spenden. Die Geschäftsstelle ist in Berlin. Spenden dienen vor allem der Netzwerk- und Orgaarbeit.
IBAN: DE59 3702 0500 0001 1233 00
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