Demonstrationen in Gera
Seit 90 Wochen im Widerstand
In Gera ziehen wöchentlich Neonazis durch die Stadt. Janusz Riese und das Aktionsbündnis "Gutes für Gera" halten mit Kultur und Musik dagegen. Ein Besuch
Janusz Riese trägt eine Brille und ein Mütze und hält eine rosa Fahne in seiner Hand. Neben ihm laufen andere Menschen, die mit Schildern protestieren.
Janusz Riese und das Aktionsbündnis "Gutes für Gera" demonstrieren seit mehr als 90 Wochen gegen die Nazi-Aufmärsche
Benjamin Jenak
Jacob QueißnerPrivat
Benjamin JenakBasti Winterscheid
15.07.2026
4Min

Ein Keller irgendwo in Gera: Janusz Riese trägt Demo-Material nach draußen und lädt alles in ein Auto. "Braucht der DJ einen Tisch?", fragt eine Helferin. "Nimm ihn lieber mit", meint Riese. "Es gab schon Einsätze, da bin ich viermal zurück", bemerkt er und schleppt eine schwere Kiste die steile Treppe hoch. Zwei große Lautsprecher, einen Pavillon, einen Grill, Fahnen, Tische und mehrere Banner – all das brauchen sie für ihre wöchentliche Kundgebung am Theater. Heute sind sie nur zu zweit. "Das Verladen ist das Schlimmste daran", findet Riese.

Das Aktionsbündnis "Gera gegen Rechts" ist Anfang der Zehnerjahre bei den Protesten gegen das Neonazi-Festival "Rock für Deutschland" entstanden. Tausende Rechtsextreme kamen damals in Thüringens Otto-Dix-Stadt. Der Widerstand war groß. Seitdem ist auch Riese dabei und dauerhaft gefordert: Erst Thügida, später die Proteste gegen die Corona-Maßnahmen und schließlich rechte Montagsdemonstrationen.

Seit Dezember 2021 sammeln sich Neonazis Woche für Woche in Gera. "Das müssen wir doch blockieren", hieß es damals. Mit anderen organisierte Riese kurzfristig einen Gegenprotest. Drei Monate lang hielten sie mit einer Menschenkette dagegen. Irgendwann habe die Polizei gesagt: "Wir können sie hier nicht mehr schützen." Als die Situation zu eskalieren drohte, weil Rechte die Kundgebung beinahe überrannten, pausierte der Gegenprotest.

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