chrismon: Sie sollten eigentlich mit dem Tech-Milliardär Peter Thiel bei den Wiener Festwochen über Armageddon und den Antichrist diskutieren. Dann wurde er nach Protesten wieder ausgeladen. Wie finden Sie das?
Wolfgang Palaver: Peter Thiel ist in Österreich zu einer mythischen Projektionsfläche geworden. Viele Menschen sprechen über ihn, ohne seine Positionen wirklich zu kennen. Das hätte man ändern können! Es wird aber lieber mit Etiketten gearbeitet: Fundamentalist, Antidemokrat, Demokratiefeind, Kapitalist. Aber man müsste doch zunächst fragen, was er tatsächlich meint. Ich habe den Eindruck, dass vernünftiges Reden kaum noch möglich ist. Meine Rolle haben einige offenbar darin gesehen, Thiel auf der Bühne zu "vernichten". Nur ist das nicht meine Vorstellung eines Gesprächs.
Ein Argument war ja, dass Peter Thiels Denken so gefährlich ist, dass man ihn nicht einmal einladen kann …
Unabhängig davon, ob das stimmt, ist das doch ein verheerendes Signal. Man sollte mit ihm sprechen und ihn kritisch befragen. Ich hätte ihm kritische Fragen gestellt. Aber die Annahme, man dürfe mit jemandem gar nicht reden, weil er gefährlich sei, überzeugt mich nicht. Selbst Douglas Rushkoff, einer der schärfsten Kritiker des Silicon Valley, meinte, man solle mit Thiel sprechen und versuchen zu verstehen, was sein eigentliches Anliegen ist, um ihn für eine wahrlich menschliche Haltung zu gewinnen.
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