chrismon: Herr Michalsen, Sie empfehlen eine gesunde Ernährung als Therapie bei schwachen und mittleren Depressionen. Ist das nicht zu einfach?
Andreas Michalsen: Es wirkt. Daran zweifeln kaum mehr Forscherinnen und Forscher. Es gibt genug Daten. Eine gesunde Ernährung reduziert Ängste, hebt die Stimmung. Vielleicht nicht ganz so stark wie ein kräftiges Medikament, aber man sieht medizinisch trotzdem einen klaren Effekt. Aber es ist nicht einfach. Menschen, die niedergeschlagen sind, tun sich besonders schwer, sich zu einer gesunden Ernährung zu motivieren.
Wie reagieren Ihre Patientinnen und Patienten, wenn Sie ihnen sagen, dass die richtige Ernährung gegen Depressionen hilft?
Es überrascht viele. Das Gebiet der Ernährungspsychiatrie ist noch jung. Die ersten Studien dazu sind vor acht Jahren erschienen. Aber die meisten sind sehr dankbar, das zu hören. Manche fragen auch aktiv danach, weil sie Antidepressiva vermeiden wollen. Die haben teils starke Nebenwirkungen. Zum Beispiel fördern sie Übergewicht.
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