Bei vielen unserer Lesenden war es die Schwester, die in schwierigen Zeiten ermutigt hat
Raina Anderson / plainpicture/
Leseraktion 2026
"So viele haben dran geglaubt, dass es gut wird"
Die Schwester, die Trainerin oder gleich das ganze Dorf: Es gibt viele Menschen, die einem anderen Mut zusprechen ihn damit für ein Leben prägen können. Was bleibt, ist die Dankbarkeit
25.05.2026
6Min

Ich bin in Afghanistan aufgewachsen, in einer Zeit, in der nach vielen Jahren Krieg zwar wieder etwas Hoffnung da war, Mädchen aber trotzdem nur selten zur Schule gingen. Es gab die Vorstellung, dass Frauen zu Hause bleiben sollten. Auch mein Vater dachte so. Er war selbst nicht zur Schule gegangen, wir lebten in großer Armut, und Bildung für Mädchen schien für ihn nicht notwendig.

Meine Mutter meldete mich trotzdem in der Schule an. Doch als ich in der vierten Klasse war, starb sie. Danach wurde alles noch schwerer. Mein Vater wollte nicht, dass ich weiter zur Schule gehe.

Aber meine Schwester Maryam sagte immer zu mir: "Gib nicht auf. Du musst weitermachen." Um meine Schulmaterialien, meine Kleidung und später auch meine Kurse zu bezahlen, lernte sie nähen und arbeitete Tag und Nacht. Auch als ich an die Universität ging und sie inzwischen verheiratet war, unterstützte sie mich weiter. Sie kaufte mir Bücher und ermutigte mich, auf eigenen Beinen zu stehen. Sie hat ihre Jugend damit verbracht, zu arbeiten, damit ich lernen konnte.

Wenn ich heute Menschen in ihrem Alter sehe, die studieren konnten, tut mir das weh. Ich bin sicher: Hätte sie diese Möglichkeit gehabt, wäre auch sie sehr erfolgreich geworden. Maryam führt ein schweres Leben in Kabul, Frauen
dürfen dort derzeit nicht arbeiten.

Ich habe einen Bachelorabschluss in Verwaltung und Wirtschaft, habe mehrere Jahre als Journalistin gearbeitet und war vor meiner Flucht nach Deutschland auch bei den Vereinten Nationen in Afghanistan tätig. Jetzt lebe ich in Berlin und lerne weiter Deutsch.

Alles, was ich erreicht habe, verdanke ich meiner Schwester Maryam. Ein Mensch, der an dich glaubt, kann dein ganzes Leben verändern.

Zahra Nazari

Zahra Nazari verdankt ihren Erfolg ihrer Schwester

Wer hat an mich geglaubt, als es sonst keiner tat?

Als junges Mädchen in der Jungschar dachte ich immer, ich könne nicht singen, und habe mich auch nicht so recht getraut, vor anderen zu singen. Dabei sang ich wirklich gerne und hatte große Freude daran, mit vielen anderen zusammen Lobpreislieder zu trällern.

Martina Sträßner singt jetzt auch vor 400 Leuten

Unser Jungscharleiter hat damals gesagt: "Freilich kannst Du singen. Gott freut sich, wenn Du ihm singst." Da dachte ich: "Stimmt, ich singe es ja Gott und nicht den anderen." Diese veränderte Grundeinstellung und der Zuspruch nahmen mir die Aufregung und ließen mich freier atmen, was den aufgeregten "Kloß im Hals" allmählich verschwinden ließ.

Später dann brauchten sie mich als ehrenamtliche Helferin für die Jungschar. Ich holte die alte Gitarre meines Vaters vom Dachboden. Mit einer Griff-Tabelle brachte ich mir selbst über ein halbes Jahr hinweg grobe Basics bei. Ich fühlte mich gebraucht und wollte mich auch musikalisch für die Kinder einbringen, weil es damals keinen gab, der Gitarre spielen konnte.

Mit der Zeit wurde ich mutiger. Inzwischen setze ich das Singen auch beruflich ein und habe mit meiner Gitarre kein Problem, vor 400 Leuten zu singen, und werde dazu immer wieder angefragt.

Als ich Konfirmanden für das Singen in einer Kirchenband motivieren wollte, war ich diejenige, die ihre Selbstzweifel wegwischte mit dem Zuspruch "Freilich kannst Du singen!"

Martina Sträßner

Gott lässt mich nicht im Stich!

Schlafstörungen, Schmerzen, kognitive Probleme – seit Jahren leide ich unter diversen Symptomen. Eine Ursache? Ärzte zweifelten an mir, meine Familie zweifelte an mir – lange wurde ich als Hypochonderin bezeichnet, die nur zu faul sei. Nach über einem Jahrzehnt dann die Diagnose: Myalgische Enzephalomyelitis, auch bekannt als das Chronische Fatigue-Syndrom (ME/CFS).

Wer immer an mich als Mensch geglaubt hat: Wirklich enge Freunde! Und, weil ich tief in meinem Glauben verankert bin, auch ich selbst: Denn Gott lässt mich nicht im Stich.

S. S.

Ich wurde nach 23 Jahren gekündigt, habe mich getrennt und musste das Haus übernehmen. In der schweren Zeit hat meine beste Freundin an mich geglaubt und mich bestärkt, dass wir das gemeinsam schaffen.

Stefanie Raps

Mein lieber Sohn (23) hat immer an mich geglaubt und mir zum Beispiel zum Geburtstag einen Stadtführerkurs geschenkt, weil das viele Jahre lang mein Traum gewesen ist. Ich bin ihm von ganzem Herzen dafür dankbar:-).

Sandra Grasmüller

Mein Patenkind Lilly hat immer an mich geglaubt, auch als ich krank geworden bin. Sie hat immer gesagt: "Du schaffst das!"

Auch wenn wir uns heute nicht mehr täglich sehen können, weiß sie genau, wie es mir geht. Wir sind seelenverwandt.

Melanie Schott

Meine Schwester glaubt an mich. Sie weiß, was ich alles kann, auch wenn ich manchmal nicht an mich selbst glaube.

Ute Howa

Über glühende Kohlen laufen

Wolfgang Böhler ist seiner früheren Trainerin dankbar

Meine Trainerin hatte unsere Gruppe während des Kommunikationskurses gut vorbereitet. Es war der letzte Kurstag. Wir sollten Übungen durchführen, um körperlich und mental in einem guten inneren Zustand zu sein. Die Aufgabe bestand darin, ein Ziel positiv zu formulieren, für das wir uns im Alltag einsetzen würden.

Mit Unruhe und ängstlichem Gefühl sah ich, wie Helfer am Nachmittag ein Band, 15 Meter lang und 1 Meter breit, mit Holzkohle aufschichteten. Draußen nahte der Abend, es wurde dunkel. Die Trainerin, Gundel, eine Frau mit viel Motivationserfahrung, rief alle Teilnehmer zu sich.

Jeder sollte mit lauter Stimme für alle hörbar sein Lebensziel vortragen und über die Kohlen laufen. Ich fasste allen Mut zusammen. Ich sah die glühenden Kohlen. Gundel sprach uns Mut zu.

Sie nannte meinen Namen. Ich fasste allen Mut zusammen, zog die Schuhe und Socken aus, machte mich startbereit, und fühlte Gundels Gegenwart. Sie glaubte an mich, gab die Zustimmung zu meinem Ziel. Alle riefen meinen Namen, feuerten mich an. Ich ging über die glühenden Kohlen.

Am Ende klatschten alle, und umarmten mich. Meine Füße blieben unversehrt.

Wolfgang Böhler

Die jüngere Schwester

Ihre jüngere Schwester hat Astrid Leyde immer wieder ermutigt

Die motivierende Person, die immer an mich geglaubt hat, ist meine jüngere Schwester. Es gibt viele Phasen in meinem Leben, in denen sie mich zu "Höchstleistungen" angestoßen hat.

Nach meiner Knie-OP zu herausfordernden Wanderungen, die mich beglückten, auch wenn ich an meine Grenzen kam. Für unsere gemeinsamen Reisen ermutigte sie mich zum Erlernen der griechischen Sprache, was in Anbetracht meines fortgeschrittenen Alters eine enorme Herausforderung war. Anfangs drohte ich aufzugeben, aber meine Schwester brachte mich immer wieder dazu, dranzubleiben, und dafür bin ich ihr sehr dankbar.

Bei meinen Töchtern sehe ich inzwischen ähnliche positive Verhaltensmuster, und auch das erfreut mich sehr. Wenn Geschwister zusammenhalten und sich gegenseitig stärken, ist das wunderbar. Ich wünsche jedem eine nahestehende Person, die sagt: "Du schaffst das."

Astrid Leyde

Es ging. Und es wurde gut!

Ich war 23, er ein Jahr älter, wir studierten weit entfernt von unseren Familien in verschiedenen Bundesländern, und kannten uns gerade seit vier Monaten. Und plötzlich war ich schwanger. Wie soll das gehen? Hält unsere junge Liebe das aus? Schaffe ich, schaffen wir das? Große Zweifel, Tränen, unvorstellbar zunächst.

Doch so viele haben dran geglaubt, dass es gut wird: Freundinnen, die sich einfach riesig gefreut haben. Meine Mutter, die meinte: "Wir schaffen das!" Schwester, Tante, selbst die Oma, die eine Decke für das Urenkelchen häkelte. Fast 28 Jahre später blicke ich dankbar zurück mit der Erfahrung: Es ging. Und es wurde gut!

Susanne Göttlicher

Infobox

Leseraktion: Wer hat an dich geglaubt?

Diese Beiträge wurden von Leserinnen und Lesern verfasst. Wir möchten seit Anfang Januar wissen: Wer hat an dich geglaubt?

Mehr Texte aus der Leseraktion ansehen

"Wer hat an Dich geglaubt" - über diese Frage wollen wir auch im Zoom-Webinar am 27. Mai 2026 um 19 Uhr reden. Wir werden Raum für die Geschichten aus unserer Leseraktion haben. Mit dabei ist Esin Rager, Gründerin von samova-Tee. Sie wurde das, was sie heute ist, weil Menschen an sie geglaubt haben. Heute berät sie junge Menschen in Start-Ups. Dorothea Heintze moderiert. Exklusiv für Abonnent*innen.

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