Eine Frau sitzt im geöffneten Auto auf dem Fahrersitz, umgeben von Waldlicht, und blickt ruhig nach draußen
Anja F., 36, sitzt in ihrem Nissan Micra "Mica", der für sie und ihre beiden Töchter mehr ist als nur ein Auto: ein Rückzugsort, ein Stück Unabhängigkeit – und ein Ort, an dem sie sich sicher und geborgen fühlen
Lena Giovanazzi für chrismon
Familienleben
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Jens Oellermann
01.05.2026
10Min

Anja F., 36, zwei Töchter, beide 13

Es war Liebe auf den ersten Blick. Meine Tochter und ich standen bei einem Gebrauchtwagenhändler, um uns Autos anzusehen, und auf einmal war da dieser kleine Nissan Micra, der heller strahlte als alle anderen. Als ich mich hineinsetzte, fühlte ich mich wie eine Königin. Das klingt vielleicht seltsam, aber meine Mutter hatte nie ein Auto, ich bin mit öffentlichen Verkehrsmitteln groß geworden. Selbst am Steuer zu sitzen, fühlte sich nach Dankbarkeit und Luxus an.

Meine Mädchen und ich haben dem Auto einen Namen gegeben: Mica. Gleich am ersten Tag fuhren wir über die Autobahn nach Beelitz-Heilstätten zum Baumkronenpfad. Abends nach unserer Rückkehr saßen wir noch lange im Wagen, weil es so warm und gemütlich war. Seitdem ist Mica für uns mehr als nur ein Auto. Sie gibt uns Geborgenheit.

In unserer Mica singen wir gern zusammen unsere Spotify-Lieblingssongs, was wir sonst nie machen. Meine beiden Mädels lieben es, wenn ich sie von der Schule abhole. Und es ist ihnen egal, dass andere Eltern mit SUVs vorfahren. Denn sie wissen, was Mica für uns ist, sie gehört zur Familie. Und wer hat schon ein Auto mit Katzenohren auf den Außenspiegeln?

Ich bin seit mehr als acht Jahren alleinerziehend. Der Vater ging, kurz bevor die Mädchen eingeschult wurden. Dieses Alleinsein ist schwer auf Dauer, dieses Funktionieren, die Verantwortung – es zermürbt sehr. Ich habe das Gefühl, ich muss ständig performen.

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