Ungarn-Wahl
"Orbán hat ein mafiaähnliches System etabliert"
Gábor Iványi taufte einst Viktor Orbáns Kinder. Heute ist er einer seiner schärfsten Kritiker. Seine Kirche hilft den Ärmsten – doch der Staat entzieht ihr die Grundlage. Was ihm trotzdem Hoffnung gibt
Gabor Ivanyi in seinem Vorgarten bei Morgengrauen
Pfarrer Gábor Iványi in seinem Garten in Budapest (2019). Einst traute er Viktor Orbán – heute steht ihr Zerwürfnis für Orbáns autoritären Kurs
Akos Stiller / The New York Times / laif
Paul Herberg
08.04.2026
6Min

chrismon: Am Sonntag wird in Ungarn ein neues Parlament gewählt. Zum ersten Mal nach 16 Jahren könnte Viktor Orbán abgewählt werden. Sie kannten ihn, lange bevor er Ministerpräsident wurde. Wie hat diese Beziehung begonnen?

Gábor Iványi: Ich habe ihn 1989 kennengelernt, also kurz vor den großen politischen Umbrüchen. Damals war er ein junger, vielversprechender Politiker, gerade mit der Universität fertig. Ich mochte seinen Mut und seine Offenheit. Er war liberal, Vorsitzender einer kleinen Partei, sehr aktiv im Parlament. Damals hatte er keinerlei kirchlichen Hintergrund. Dass er sich überhaupt an mich gewandt hat, zeigt also, wie eng unser Verhältnis zu der Zeit war. Es ging nicht nur um Politik, sondern auch um persönliche Fragen und Vertrauen. Ich habe unter anderem zwei seiner Kinder getauft und die Ehe mit seiner Frau gesegnet.

Heute gelten Sie als einer seiner schärfsten Kritiker.

Ja. Mit der Zeit wurde aus dem einstigen Liberalen ein nationalkonservativer, rechter Politiker. Das wäre für mich noch nicht das Entscheidende für unseren Bruch gewesen. Aber sehr schnell hat sich herausgestellt, dass er sich an dem neuen demokratischen System stört und dass er seine Macht nutzt, um sich selbst und sein Umfeld zu bereichern.

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