Peer Steinbrück, Bundesfinanzminister a.D.
Friedrich Bungert/SZ Photo/picture alliance
Zukunft der Bundesrepublik
"Es gibt keinen Grund, Deutschland in den Orkus zu reden"
Peer Steinbrück blickt auf die Zeitenwende, kritisiert politische Bequemlichkeit und fordert mutige Reformen. Warum Deutschland stärker ist, als viele glauben – und sich trotzdem verändern muss
David-Pierce Brill
Aktualisiert am 19.05.2026
9Min

chrismon: Herr Steinbrück, Sie haben vor zehn Jahren mit der aktiven Politik aufgehört. Gibt es irgendetwas, das Sie vermissen?

Peer Steinbrück: Nein, das war eine sehr bewusste Entscheidung. Ich war und bin nicht süchtig. Politik ist kein Beruf, in einer Demokratie ist es eine Berufung auf Zeit. Einige missverstehen das. Und man muss den Zeitpunkt eher früher als zu spät setzen, zu dem man den Staffelstab an Jüngere abgibt.

In Ihrer letzten Rede im Bundestag sprachen Sie mit Blick auf die Ukraine und zunehmend autoritäre Tendenzen weltweit von einer "Zeitenwende" – und das war vor zehn Jahren. Besser ist es seither nicht geworden …

Der Begriff "Zeitenwende" spiegelt die Verdichtung von mehreren Krisen und ist als historische Kategorie nicht übertrieben. Angesichts des erratischen Präsidenten Trump und dessen Torpedierung verlässlicher transatlantischer Beziehungen sprechen einige sogar von einer Zeitenwende in der Zeitenwende. Nie stand Deutschland in und mit Europa in den letzten Jahrzehnten unter einem so hohen Druck, sich zu behaupten.

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