Sally Matthes ist Stiefmutter - und hat viel dazugelernt, was den Umgang mit den Kindern angeht
privat
Patchworkfamilie
Sie fühlte sich wie eine Außenseiterin
Eines wusste sie sicher: Sie will keine Kinder. Doch dann wird sie Stiefmutter. In diese Rolle musste sie erst mal reinwachsen
27.03.2026
4Min

Sally Matthes, Jahrgang 1988:

Ich war 30 Jahre alt, ungebunden, reiselustig und hatte den festen Plan, mein Leben zu genießen. Als Kitaleitung war ich beruflich erfüllt, arbeitete mit Kindern und Familien und trug viel Verantwortung. Ich wusste sicher: Eigene Kinder wollte ich nicht haben. Ich hatte Sorge, dabei meine Freiheit zu verlieren.

Dann flog ich zum Tauchen nach Thailand. In meinem Kurs lernte ich Stéphane kennen. Er war Franzose, freiberuflicher Marketingberater, alleinstehend – und Vater von zwei kleinen Mädchen, vier und sechs Jahre alt. Dass es etwas Ernstes war, merkten wir schnell. Kurz nach unserem Kennenlernen zog Stéphane zu mir nach München. Es klappte überraschend gut und harmonisch, aber die größte Herausforderung stand mir noch bevor: Fünf Monate nach unserem ersten Treffen in Thailand sollte ich Stéphanes Töchter kennenlernen. Als gelernte Pädagogin würde ich das schon hinbekommen, dachte ich. Rückblickend wundere ich mich, wie naiv ich war und wie sehr ich die Situation unterschätzt hatte.

Die Mädchen waren von Anfang an offen mir gegenüber. Sie waren lieb und lustig, einfach tolle Kinder. Und trotzdem fiel es mir schwer, in meine neue Rolle zu finden. Denn erst jetzt wurde mir so richtig bewusst, dass ich Stéphane nie ganz für mich allein haben würde. Ja, ich war eifersüchtig. Ich fühlte mich wie eine Außenseiterin: Wenn wir draußen unterwegs waren, hielten die Mädchen Stéphanes Hand, während ich nebenherging. Sahen wir uns einen Film an, kuschelten sich die Mädchen an Stéphane. Kurz: Neben seinen Kindern blieb für mich wenig Platz.

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