Syrien
Endlich Geldscheine ohne Assad!
In Syrien bezahlen die Menschen nun mit neuen Geldscheinen - ohne Assad-Konterfei. Diese symbolische Rückeroberung tut gut. Aber für einen Aufbruch braucht es jetzt noch viel mehr. Ein Kommentar
Auf dem Halep Merkez Platz im Zentrum von Aleppo: Werbung für die neuen Geldscheine Syriens
Jonathan Funk / chrismon
12.01.2026
3Min

Mit dem Sturz des Regimes von Baschar al-Assad wurden die Statuen von ihm und seinem Vater Hafiz al-Assad vom Sockel gestoßen und ihre Bilder verbrannt. Nun endlich werden sie auch aus unseren Portemonnaies und Hosentaschen verschwinden: Bislang war nämlich das Gesicht von Hafiz al-Assad auf den 1000-Pfund-Scheinen und das von Baschar al-Assad auf den 2000-Pfund-Scheinen zu sehen. Nun haben wir neues Geld: darauf schöne bunte Bilder, außerdem wurden zwei Nullen gestrichen.

Die neuen Geldscheine zeigen nicht nur ein modernisiertes Finanzwesen; sie sind eine symbolische Rückeroberung des wohl intimsten Aspekts im öffentlichen Leben.

Die Diktatorenbilder auf dem Geld waren eine psychologische Last, die wir Syrerinnen und Syrer mit uns herumtrugen. Erinnerten sie uns doch ständig daran, wie umfassend und tief verwurzelt die Macht der al-Assads war.

Das neue Geld zeigt landwirtschaftliche Erzeugnisse: Weizenähren stehen für Würde und Produktivität. Oliven sind Symbole für Frieden, ihre tiefen Wurzeln bedeuten Stabilität. Orangen kann man als Hinweis auf die Vielfalt der syrischen Landwirtschaft lesen. Und sie stammen aus der Küstenregion - ein Bekenntnis zum Zusammenhalt der Regionen. Schließlich sind auch noch Damaszenerrosen auf die Scheine gedruckt. Sie stehen für Authentizität und syrische Geschichte. Kurz: Die Symbolik unserer Währung hat sich grundlegend gewandelt. Statt Personenkult geht es jetzt darum, die Lebensgrundlagen wertzuschätzen.

Neue syrische Geldscheine ohne Assad-Porträts stehen für einen symbolischen Neuanfang

Deswegen feiern viele von uns das Geld. Endlich wurden auch unsere Portemonnaies vom Alptraum der Diktatur befreit.

Zumindest fast. Denn noch gelten auch die alten Scheine, was zu Chaos führt. Noch komplizierter wird die Angelegenheit, weil mit der Einführung des neuen Geldes auch zwei Nullen gestrichen wurden: Produkte können also entweder 2000 Pfund kosten, wenn sie mit einem Assad-Schein bezahlt werden, oder 20 Pfund, wenn sie mit einem der neuen Scheine bezahlt werden.

Die Syrerinnen und Syrer nehmen es mit Humor und haben die Scheine umbenannt. Sie zahlen jetzt mit "Oliven", "Orangen" oder "Beeren". Es ist der Versuch der Bevölkerung, mit der "Nullenverwirrung" umzugehen.

Zugleich ist klar: Zwei Nullen zu streichen, ist nur ein erster Schritt. Jetzt geht es darum, die strukturellen Ursachen anzugehen, die das syrische Pfund in seinen heutigen desolaten Zustand gebracht haben – es hat seit 2011 über 99 Prozent seines Wertes verloren: durch Korruption, Instabilität und Ressourcenverschwendung.

Vor allem geht es darum, das Vertrauen der Syrerinnen und Syrer in den Neuanfang zu stärken. Da reichen keine druckfrischen bunten Geldscheine. Wir brauchen eine spürbare und nachhaltige Verbesserung der Kaufkraft, Preisstabilität und echte Transparenz. Dazu gehört auch, dass die Zentralbank so neu aufgestellt wird, dass die Menschen sich auf sie verlassen können. Und vom Geld und von dem, was wir dafür bekommen, machen viele Menschen abhängig, ob sie der Regierung Vertrauen entgegenbringen. Das Verhältnis zum Staat wird jeden Tag neu definiert: auf den Gemüsemärkten, in den Bäckereien und in jedem einzelnen Portemonnaie.

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