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Wer älter wird, benötigt Trost und Orientierung. So jedenfalls geht es mir, der ich die 60er-Grenze hinter mir gelassen habe.
Auf Lebenshilfe, Ratgeberbücher und Coaching jeder Art möchte ich weiterhin höflich verzichten. Lieber greife ich zu Literatur, die mein Thema verhandelt, mir den einen oder anderen Wink gibt, mich dabei aber nicht auf eine Methode festlegt, sondern zur Einsicht und ins Freie führt.
Lesetipp: Meditation mit Pfeil und Bogen
Deshalb habe ich mit großer Freude und wachsender Selbsterkenntnis die neue Ausgabe des wunderbaren Jahrbuchs "Das Gedicht" gelesen. Es trägt den Titel "jung und alt".
Anton G. Leitner und Matthias Kröner haben sie herausgegeben. Auf fast 200 Seiten findet man dort die vielfältigsten Gedichte unterschiedlichster Autorinnen und Autoren über die Spannung zwischen Anfang und Ende, den Weg vom einen zum anderen. Viele Verse haben mich angesprochen.
Um meine Lesefreude mit anderen zu teilen und sie zum Nachmachen zu bewegen, könnte ich jetzt eine Rezension schreiben. Aber das wäre langweilig, außerdem bin ich kein Literaturkritiker. Deshalb erlaube ich mir, aus diesem Band einzelne Verse herauszuklauben und neu zusammensetzen, um folgende kleine Gedicht-Collage zu erstellen.
warum gibt es die welt?, fragt das kind
als meine mutter mit mir niederkam
die zweite hälfte seines lebens
verbrachte mein Vater mit mir
am anfang bist du fremd
endlich groß und sich sicher sein
heute wird morgen
so wie gestern früher sein
früher hatte ich nichts, aber ich hatte hoffnung
heute habe ich alles, aber ich habe angst
die alte frau, sie sah sehr jung aus
neugierig bleiben, schmunzelte sie
das alter ist ein segen
alt werden und alles verlieren
so nah am ende
mit der zeit wird die zeit knapp
wir wissen, wir kommen nicht mehr ans meer
wie lange dauert das totsein?, fragt das kind
(Herzlichen Dank an Lars Bornschein, Holger Brülls, Jürgen Bulla, Christian Dörr, Christian Düfel, Uwe-Michael Gutzschhahn, Augusta Laar, Momo Lijsen, Ulrich Schäfer-Newiger, Wolfgang Oppler, Wolfgang Ferdinand Ramadan, Karl-Heinz Rölke, Rüdiger Stüwe!)
Das nächste chrismon-Webinar widmet sich am 18. März um 19 Uhr der Frage: Älterwerden ist eine Herausforderung. Wie kann es gut gelingen?
Brigitte Huber, ehemalige Chefredakteurin der "Brigitte", ist über 60 und sagt: Genau jetzt ist die beste Zeit meines Lebens. Sie hat Bücher übers Älterwerden geschrieben und hostet einen Podcast. Klaus Hurrelmann, Sozialwissenschaftler und Bildungsforscher, ist über 80 und fordert von den Älteren: Bringt euch ein in die Gesellschaft! Das hilft auch euch selbst. Dorothea Heintze moderiert.
Exklusiv für alle, die chrismon abonniert haben. Bringen Sie Ihre Fragen mit, gern auch anonym.
