Zwei Kinder stehen an einer orangefarbenen Ladestation und halten ein Ladekabel. Im Hintergrund ein geöffneter Kofferraum eines Elektroautos
"Steht er, dann lädt er": Stecker rein, Pause machen – laden als Teil einer neuen Reiseroutine
Maskot / Getty Images (Symbolbild)
Elektromobilität
Ist ein Elektroauto was für mich?
Unser Verbrenner kommt in die Jahre. Wir werden bald elektrisch fahren. Welche Zweifel sind berechtigt? Ich habe mich umgehört
Tim Wegner
29.06.2026
5Min

An dem Abend, an dem es um Elektroautos geht, nehme ich das Fahrrad. Nach Oberursel im Hochtaunuskreis kann man von Frankfurt aus wunderbar durch die Felder fahren. Mit dem Auto wäre es umständlicher. Ehrlich gesagt: Am liebsten hätte ich gar kein Auto. Aber mit drei Kindern ist das in einem Land, in dem jahrzehntelang alles möglichst "autogerecht" geplant wurde, (noch) nicht so einfach.

Ins Stadthaus Oberursel hat die LOK eingeladen, die Lokale Oberurseler Klimainitiative. Super, dass es die gibt. Sich zusammentun mit Menschen, die sich ebenfalls ums Klima Sorgen machen und anpacken wollen, ist ein riesiger Schritt nach vorn.

Referent an diesem Abend ist Ulrich Portmann. Er ist eigentlich evangelischer Theologe, bekam aber keine Pfarrstelle und ging stattdessen in die IT. Heute ist er im Ruhestand. Portmann fährt seit Jahren elektrisch. Und das ist auch meine erste Erkenntnis: Fragen Sie Menschen, die schon ein Elektroauto haben - es bringt Ihnen sehr viel mehr als jedes Verkaufsgespräch im Autohaus!

Am Anfang bittet Ulrich Portmann die Gäste um Fragen, und da wird mir klar: Jeder hat Zweifel. Sie auch? Ich greife vier Fragen auf - und Ulrich Portmanns Antworten. Vielleicht sind Ihre Fragen auch dabei?

Ist es nicht besser fürs Klima, den alten Verbrenner weiterzufahren, bis er auseinanderfällt, statt sich nun ein neues E-Auto zu holen?

"Über den Lebenszyklus gesehen ist die Treibhausgasbilanz eines E-Autos um 73 Prozent besser", sagt Ulrich Portmann. Ein Auto, das auf 100 Kilometer mit 5,6 Liter Diesel auskommt, stoße bei einem Kilometer Fahrt 150 Gramm Kohlendioxid aus. Ein E-Auto fahre lokal emissionsfrei und wandle die Energie viel effizienter in Bewegung um als ein Verbrenner.

Ein E-Auto startet bei der Umweltverträglichkeit mit einem Minus. Denn die Batterieproduktion verursacht rund 40 Prozent mehr Emissionen als der Bau eines Verbrenners. Am Anfang liegt der Stromer also hinten. Er holt den Rückstand aber schnell auf. Nach gut 17.000 Kilometern ist er ausgeglichen, bei den meisten Fahrerinnen und Fahrern nach ein, zwei Jahren. Danach fährt das E-Auto regelrecht davon.

So hat es das International Council on Clean Transportation in einer Studie vom Juli 2025 für die EU durchgerechnet. Über das ganze Autoleben kommt der Stromer demnach auf 63 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer, der Benziner auf 235. Wird das E-Auto mit Strom aus Erneuerbaren produziert und lädt man das Auto im Betrieb mit regenerativen Energien, ist die Bilanz noch besser.

Wie kommt man auf langen Fahrten zurecht, zum Beispiel auf dem Weg in den Urlaub?

"Man muss lernen umzudenken", sagt Ulrich Portmann. Und meint damit: Bisher fahre man halt "zur Tanke". "Mit einem E-Auto lädt man, wenn das Auto steht. Und das tut es - statistisch gesehen - die meiste Zeit des Tages." Und auf Reisen lädt man, indem man die Pausen dafür nutzt. Rast machen, laden, auf Toilette gehen, etwas essen und trinken - schnell seien zehn Minuten vergangen. In dieser Zeit lade zwar kein Akku wieder auf 80 Prozent, aber so voll, dass man wieder bis zur nächsten Pause komme.

Portmann zitiert aus einem Text. Es geht um die Strecke von München bis nach Kiel. "Je nach Fahrzeug brauchte man im Elektroauto acht bis 15 Minuten länger." Für mich persönlich wäre das kein Nachteil, im Gegenteil: Gerade mit Kindern braucht man Pausen. Portmann selbst war mit dem E-Auto schon zweimal in Schweden und in Dänemark unterwegs. "Das war entspanntes Reisen, kein Problem!", sagt er.

Weil ich mich einlese für ein Leben mit Stromer, bin ich auf die App ABRP gestoßen, die Abkürzung steht für "A Better Routeplanner". Man kann dort auch das Fahrzeug angeben, das man nutzt. In meinem (noch fiktiven) Beispiel ein Auto mit einer Akkukapazität von 60 kWh (es gibt auch größere, aber sie sind mir noch zu teuer). Ich gebe die Strecke Frankfurt - Berlin ein. Die App berücksichtigt Wetter, Wind und Temperatur. Fahre ich mit 100 Prozent aufgeladenem Akku, muss ich zwei Mal laden - ein Mal für neun, ein weiteres Mal für 20 Minuten. Auf einer Strecke von 550 Kilometern würde ich ohnehin zweimal anhalten, mindestens.

Brennen E-Autos häufiger als Verbrenner?

Nein. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft hat seine Schadenstatistik ausgewertet: Elektrofahrzeuge brennen nicht häufiger als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Auch ADAC und DEKRA kommen zu diesem Ergebnis. Wenn aber irgendwo ein E-Auto Feuer fängt, wird in der Berichterstattung eigens erwähnt, dass es ein E-Auto war. Das verzerrt die Wahrnehmung: Viele halten Stromer für feueranfälliger, als sie sind.

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Ich kann das Auto nicht zu Hause laden - wird die Elektromobilität dann nicht zu teuer für mich?

"An Ladestellen mangelt es nicht mehr", sagt Portmann. Wer zu Hause nicht laden kann, finde andernorts Gelegenheiten. "Steht er, dann lädt er", ist ein geflügeltes Wort unter E-Mobilisten. Auf vielen Supermarktparkplätzen gibt es Ladestationen. Andere Fahrerinnen und Fahrer können am Arbeitsplatz laden. Ich habe neulich eine App von "Move Electric" entdeckt, die Ad-Hoc-Map. Sie zeigt Ladestationen, an denen die Kilowattstunde für unter 50 Cent zu laden ist. Man sieht auch, welche Leistung eine Station hat. Je höher, desto schneller ist der Akku geladen, vorausgesetzt, die Ladeleistung kann mithalten.

"Wären die Umweltkosten im Preis für den Liter Diesel oder Benzin berücksichtigt, wären die Kosten noch viel höher"

Ein kleiner Preisvergleich zwischen Stromer und Verbrenner: Mir zeigt die App, dass ich auf dem Parkplatz eines Discounters für 47 Cent/Kilowattstunde laden kann. Angenommen, mein E-Auto verbraucht 20 Kilowattstunden auf 100 Kilometern, dann kosten mich diese 100 Kilometer 9,40 Euro. Kann ich zu Hause über eine Wall-Box Haushaltsstrom für 32 Cent laden, wären es nur 6,40 Euro. Mit einer Solaranlage und einem Stromspeicher wäre der Preis an der heimischen Wall-Box noch einmal erheblich günstiger.

Habe ich einen Verbrenner, der neun Liter Benzin auf 100 Kilometern verbraucht, lande ich bei 15,21 Euro Benzinkosten für eben jene 100 Kilometer. Zugrunde gelegt habe ich einen Preis von 1,69 Euro/Liter. Und wir wissen alle, wie schnell der Preis durch geopolitische Krisen wie Kriege wieder steigen kann.

So oder so: Elektrisch fahren ist selbst dann günstiger, wenn ich nicht zu Hause laden kann. "Wären die Umweltkosten im Preis für den Liter Diesel oder Benzin berücksichtigt, wären die Kosten noch viel höher."

Mein Fazit:

Ich war schon vor meinem Besuch bei der LOK überzeugt, dass ich umsteigen möchte. Am liebsten würde ich ganz aussteigen, ein E-Auto nutzen, statt es zu besitzen. Vor allem aber bin ich froh, dass es lokale Klimaschutzgruppen gibt, die Informationen weitergeben. Ich kann nur dazu raten, solche Gruppentreffen zu besuchen. Dann merkt man: Das Thema Klimaschutz ist - auch wenn es noch so oft behauptet wird - alles andere als "tot", sondern es spricht sehr viele Menschen an.

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Kolumne

Nils Husman

"Wir müssen die Schöpfung bewahren!“ Da sind wir uns alle einig. Doch was heißt das konkret? Nils Husmann findet, wer die Schöpfung bewahren will, sollte wissen, was eine Kilowattstunde ist oder wie wir Strom aus Sonne und Wind speichern können – um nur zwei Beispiele zu nennen. Darüber schreibt er - und über Menschen und Ideen, die Hoffnung machen. Auch, aber nicht nur aus Kirchenkreisen.