Soldaten der SS in ihren Uniformen
ASSOCIATED PRESS/picture alliance
Vererbtes Trauma
Ganz zuletzt kam alles Schlimme hoch
chrismon-Leserin Christine Richter fand heraus, dass ihr Onkel in der SS war, bevor er ums Leben kam. Ihre Mutter erlitt durch den Tod zweier Brüder ein Trauma, das sie an ihre Tochter weitergab. Wie kann man damit umgehen, ohne etwas zu vererben?
Aktualisiert am 15.04.2026
7Min

chrismon: Vor fünf Jahren waren Sie dabei, als Ihre Mutter kurz vor ihrem Tod von ihrem Trauma eingeholt wurde. Wie haben Sie das erlebt?

Christine Richter: Sie war wie weggetreten, wimmerte, schrie. Ich konnte aber nicht verstehen, was sie sagt. Es waren schlimmste Laute, die ich von ihr nicht kannte. Meine Tochter hörte das durchs Telefon und sagte: Was ist das? Das hört sich ja an wie ein Tier, das verletzt wird. Auch die Ärztin hörte das und fragte mich, ob sie Traumata erlebt hat. Das musste ich bejahen.

Trauma ist ein Wort, das teilweise inflationär benutzt wird. Was versteht man darunter?

Ein Trauma wird durch eine schmerzliche Situation ausgelöst, auf die die Psyche nicht vorbereitet ist. Man erstarrt, das Gehirn spaltet die Erfahrung ab und funktioniert nur noch auf Reptilienniveau. Einen Knall verbindet man dann zum Beispiel nicht damit, dass man etwas Schlimmes erlebt hat, sondern nur der Körper reagiert darauf.

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Bitte sachlich bleiben. Vererben kann man ein Trauma, weil genetisch unmöglich, nicht. Weitergeben wohl. Zeugen und dann vererben (mit Absicht genetische Erkrankung) erzeugt Schuld, ohne dass dann der Empfänger schuldig ist.