DDR 1918: Zum X. Parteitag der SED wirbt die Partei mit dem Motiv einer Arbeiterin
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Internationaler Frauentag
War die DDR ein Sehnsuchtsort der Gleichberechtigung?
Der 8. März ist in Mecklenburg-Vorpommern ein Feiertag - und das ist gut so. Denn es erinnert daran, dass Gleichberechtigung in der DDR eine andere Rolle spielte als in der BRD...
Anke LübbertPR
04.03.2026
4Min

Der 8. März fällt in diesem Jahr auf einen Sonntag. Schade, denn wenn es ein Wochentag wäre, hätten wir frei. In Mecklenburg-Vorpommern ist der Internationale Frauentag seit 2023 ein offizieller Feiertag; ebenso, wie in Berlin, wo dies seit 2019 gilt. Beide Länder hatten vor der Einführung vergleichsweise wenige Feiertage.

Die Rosen, die am 8. März in der Fußgängerzone verschenkt werden, brauche ich nicht. Aber ein zusätzlicher Feiertag im Jahr, noch dazu einer, der darauf aufmerksam macht, dass Frauen und Männer noch immer unterschiedlich viel verdienen, dass Frauen mehr Care-Arbeit leisten, Frauen unter Sexismus leiden und weniger Macht haben als Männer, finde ich nicht schlecht. 8. März: Ausschlafen und über Feminismus nachdenken.

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Die Frauentags-Tradition kommt aus der DDR-Zeit, in der der Internationale Frauentag staatlich verordnet war und mit sozialistischen Lob- und Preisreden und Auszeichnungen begangen wurde. Denn, kleiner historischer Exkurs: Die deutsche Sozialistin Clara Zetkin (1857–1933) hatte auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz am 27. August 1910 in Kopenhagen die Einführung eines internationalen Frauentages vorgeschlagen; damals allerdings ohne ein Datum zu nennen. Der Gedanke war in der Welt und seit der Russischen Revolution, die eben auch von streikenden Frauen am 8. März 1917 eingeleitet wurde, wurde das Datum weltweit auf diesen Tag festgelegt. Und wenn stimmt, was so erzählt wird, dann wurde zu DDR-Zeiten nach den trockenen Reden und der sozialistischen Rhetorik vor allem erst mal schön gefeiert.

In einigen Betrieben haben sich die Traditionen erhalten. Frauentag, das heißt, dass im Nationalparkamt ebenso wie im Museum oder in manchen Lehrerzimmern die Männer für die Frauen die Tische decken und schmücken, Essen auffahren und Sekt ausschenken. Zur Arbeit kommt man schick angezogen und geht mit Blumen – jedenfalls wenn man eine Frau ist.

Waren Frauen in der DDR emanzipierter, freier, unabhängiger als im Westen? Artikel 7 der Verfassung der DDR erklärte Frauen und Männer als gleichberechtigt. Aber es gab keine Frauen im Politbüro, der Machtzentrale der DDR. Und auch andere machtvolle Positionen in der Partei waren überwiegend von Männern besetzt. Hausarbeit blieb wie im Westen an den Frauen hängen, für die sie sogar einen Tag im Monat freibekamen – ein Haushaltstag wurde eingeführt. Und die Auseinandersetzung mit einengenden Vorstellungen von Weiblichkeit, die Feministinnen im Westen in der Frauenbewegung leisteten, fand im Osten nicht im größeren Stil statt.

Die Kinderbetreuung wurde nicht paritätisch zwischen Eltern geteilt, sondern vom Staat übernommen. Mit fragwürdigen Auswirkungen, wenn zum Beispiel schon wenige Wochen alte Säuglinge weggegeben wurden oder Kinder die ganze Arbeitswoche lang in einer "Wochenkrippe" verbringen mussten. Viele Kinder konnten so keine stabilen Bindungserfahrungen machen.

Nein, wenn man sich Machtverteilung und Rollenbilder ansieht, dann war auch die DDR kein Sehnsuchtsort der Gleichberechtigung. Aber es gibt einen großen Unterschied: Kurz vor der Wende waren nur gut 50 Prozent der westdeutschen Frauen, aber 90 Prozent der Frauen im Osten erwerbstätig. Nicht, weil die Männer überzeugt davon waren, einen Teil des Kuchens abzugeben (außer bei den Festgelagen zum Frauentag). Sondern einfach, weil man die Frauen als Arbeitskräfte brauchte.

Wer sein eigenes Geld verdient, ist unabhängig und kann auf eigenen Beinen stehen. Kann sich notfalls trennen und sich auch außerhalb der Familie als wichtig für die Gesellschaft empfinden. Das verändert etwas in der Selbst- und der Fremdwahrnehmung.

In meiner Grundschulklasse in Schleswig-Holstein Ende der 1980er Jahre waren so gut wie alle Mütter zu Hause. Wenn hitzefrei war, oder als in der ersten Klasse Tschernobyl in die Luft flog, wurden wir einfach nach Hause geschickt. Weil unsere Mütter ja sowieso dort waren. Die wenigen "Schlüsselkinder", die in den Hort gehen mussten, wenn um 12 Uhr die Schule aus war, wurden von uns anderen bemitleidet.

Dabei stellte ich mir Hausfrauendasein schon als Kind unendlich langweilig vor. Aber die Arbeitsbedingungen waren familienunfreundlich und die Kinderbetreuung, vor allem für Unterdreijährige, schlecht ausgebaut und teuer. Einige von meinen Mitschülerinnen wollten nach dem Abi nur deshalb auf Lehramt studieren, weil der Beruf als halbwegs familienfreundlich galt.

Sollten Frauen Vollzeit arbeiten oder Teilzeit? Sollten Unterdreijährige fremdbetreut werden? In den 1990er, 2000er und 2010er Jahren wurde bundesweit und zum Teil sehr erbittert über Elterngeld, Rabenmütter und Krippenausbau diskutiert. Auf mich, die zu dieser Zeit bereits in Mecklenburg-Vorpommern lebte, wirkten diese Debatten manchmal fast wie aus einem anderen Land.

Hier geht man erstmal davon aus, dass die Kinder mit 15 Monaten in die Kita oder zu einer Tagesmutter kommen. Als ich mein Kind erst mit zwei in die Kita schicken wollte, galt das als ungewöhnlich spät. Dass Frauen arbeiten, dass auch Mütter arbeiten, war hier immer eine wohltuende Selbstverständlichkeit, über die nicht viel geredet wurde, die aber vieles leichter gemacht hat.

Neulich erst hat mich eine Redakteurin angerufen und sich entschuldigt, dass sie so spät anrufe. Es war so gegen 14 Uhr. "Ist doch noch gar nicht spät", sagte ich verständnislos. "Ja, aber wo sind denn deine Kinder?", fragte sie. Die Redakteurin war aus dem Westen.

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Kolumne

Christian Kurzke

Christian Kurzke stammt aus Ostdeutschland und arbeitet heute bei der Evangelischen Akademie in Dresden. Anke Lübbert wurde in Hamburg geboren, , lebt jedoch seit vielen Jahren mit ihrer Familie in Greifswald. Beide schreiben sie im Wechsel über Politik und Gesellschaft aus ihrer Sicht.