Anne Zander
Die Schauspielerin Anne Zander
Saskia Allers
Schauspielerin Anne Zander über ihren Beruf
"Ich möchte Rollen, in denen meine Taubheit kein Defizit darstellt"
Anne Zander spielt eine gehörlose Mutter, die nicht möchte, dass ihrer tauben Tochter ein Implantat eingesetzt wird. Zander ist selbst taub. Wie sieht sie ihre Figur?
Tim Wegener
16.09.2022
8Min

chrismon: Frau Zander, Sie können nicht hören. Bevorzugen Sie den Begriff "taub" oder "gehörlos"?

Anne Zander: Ich finde das Wort taub völlig legitim. Auf der Homepage von Diversity Arts Culture steht: "Taub ist eine positive Selbstbestimmung nicht hörender Menschen unabhängig ob sie taub, resthörig oder schwerhörig sind. Taubheit soll nicht als Defizit angesehen werden." Damit kann ich mich wunderbar identifizieren. Dieses ständige Abstempeln und in Kategorien Denken ist ermüdend und oft belastend.

Sie spielen in "Du sollst hören" eine taube Mutter, deren ebenfalls gehörlose Tochter durch ein Cochlea-Implantat hören könnte. Aber die Eltern lehnen die Operation ab, weil sie finden, dass auch ein Leben als gehörloser Mensch uneingeschränkt lebenswert ist. Im Film schreitet das Jugendamt ein, es kommt zum Prozess. Wie sehen Sie das? Muss man die Gehörlosigkeit beheben, um glücklich zu sein?

Glücklich sind meist diejenigen, die aus gehörlosen Familien kommen. Das sind nur 10 Prozent. 90 Prozent kommen aus hörenden Familien, und dort kommt es oft zu Sprachdeprivation, also einer mangelnden sprachlichen Stimulation in wichtigen Entwicklungsphasen. Hörende Eltern machen sich viel mehr Sorgen um ihre Kinder, denn ihnen fehlt das Verständnis beziehungsweise das Wissen über Gebärdensprache und darüber, dass die Gebärdensprachgemeinschaft eine Kultur besitzt.

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Eine sehr interessante Welt. Erinnert mich wieder an Astrid, das taubstumme Mädchen, dem wir als Kinder im Urlaub begegneten. Danke!