Nahaufnahme eines Streichholzes kurz nach dem Erlöschen – der Kopf glüht noch rot, Rauch steigt auf, im Hintergrund bunte Unschärfe
Manche Menschen brennen immer weiter, auch wenn sie selbst schon lange ausgebrannt sind
thongchaipeun / Getty Images
Chronische Erschöpfungsdepression
Burn-on bis zum Burn-out?
Es läuft. Zumindest äußerlich, innerlich ist der Akku schon lange leer, einfach ausgebrannt. Der Psychiater Bert te Wildt kennt die Warnzeichen von grenzenloser Selbstüberforderung, und gibt Tipps zur Vorbeugung
Vera von WolffersdorffPrivat
15.09.2026
6Min

chrismon: Herr te Wildt, von Burn-out haben vermutlich viele schon gehört. Sie aber sprechen von Burn-on. Was verstehen Sie darunter?

Bert te Wildt: Burn-out ist eine akute Erschöpfungsdepression, Burn-on hingegen eine chronische Erschöpfungsdepression – versteckt hinter einer funktionalen Fassade. Das betrifft Menschen, die zwar im Alltag weiter "funktionieren", aber insgeheim längst depressiv verstimmt sind. Sie haben den Bezug zu ihren Gefühlen, zu ihren Bedürfnissen verloren.

Die Depression versteckt sich hinter vermeintlich guter Laune?

Ja, es geht um eine sogenannte larvierte Depressivität: eine Art verschleppter Burn-out. Sehr viele berufstätige Menschen leben ständig im Gefühl, an der Grenze ihrer Kapazitäten zu arbeiten. Es gehört fast zum guten Ton.

Und wenn man den Zusammenbruch andauernd gerade noch verhindert, quetscht man vielleicht sogar noch etwas aus sich heraus. Wenn man aber gar nicht riskiert zusammenzubrechen, sondern stattdessen Mittel und Wege findet, das zu überformen, wird es gefährlich.

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