chrismon: Sie sind nicht binär, fühlen sich aber meistens weiblich. Wie kommt Ihre Frau damit zurecht?
Rayanne Tobias Ruland: Ich wusste schon mit 20 Jahren, dass mit mir etwas anders ist. Aber es war 1990 und es gab noch kein Internet, wo ich mich hätte informieren können. Wenn du damals im Sportunterricht jemandem zu nahe gekommen bist beim Basketballspielen, wurdest du geschubst und es hieß: "Hey, du schwule Sau." Außerdem war die LGBTQ-Community noch nicht wirklich sichtbar.
Ich hatte mit 20 keine Worte für mein Identitätsgefühl. Niemand hat offen über so etwas gesprochen. Ich wusste nur ganz sicher, dass die Identität des "normalen" Mannes nicht meine war und ich die klassischen Männerklamotten, die es damals gab, nicht tragen wollte. Im Herrenanzug habe ich mich mein Leben lang verkleidet gefühlt. Heute trete ich meist tendenziell weiblich auf, manchmal auch bewusst neutral.
Um auf die ursprüngliche Frage zurückzukommen: Meine Frau, meine Ex-Frau, meine Schwiegermutter und meine fünf Kinder lieben mich, wie ich bin und das in all meinen Facetten.
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