Prinzenbad Berlin-Kreuzberg, Samstag 14 Uhr, 30 Grad Außentemperatur: Das 50-Meter-Becken ist gut gefüllt. Mittendrin Hanna und Karin. Die beiden Freundinnen sind weit in den 70ern – das korrekte Alter oder ihr Geburtsjahr verraten sie nicht – und ziehen es vor, sich im Wasser zu unterhalten. Deshalb schwimmen sie Brust, natürlich nebeneinander, sonst versteht man sich ja nicht. Das tun die beiden nicht unbedingt zur Freude derer, die flott an ihnen vorbeiziehen. Aber das stört die beiden nicht. Einzig bei Rückenschwimmern sind sie gelegentlich mäkelig, wenn die ihre Bahn nicht halten und ihnen querkommen. Aber das ist es dann auch schon. Ein Sommer ohne Freibad? Für die beiden undenkbar.
So geht es auch den anderen. In den geleinten Bahnen schwimmen die hin und her, die sportlich unterwegs sind. Meistens Kraul, viel Brust, manchmal Delfin und immer wieder auch auf dem Rücken, mit Schwimmbrille, Kappe oder Nasenklemme, aber stets den Blick fokussiert auf das nächste Ziel: die Wende am Beckenrand.
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Im "freien Teil", wie Hanna und Karin diesen Bereich nennen, dort also, wo keine Leine im Wasser ist, geht es gemächlicher zu. Dort treibt jemand auf seiner Poolnudel, hier ist eine mit Gewichten an Armen und Beinen unterwegs für ihr Aquajogging. Einige haben die Augen genießerisch geschlossen. Und für Hanna und Karin ist Raum für ihren Schwatz. Ihre Frisuren sind gut geschützt unter etwas altmodischen Hauben ("Wir haben halt beide noch sehr volles Haar"), weshalb sie unter denen, die Aufsicht führen am Beckenrand, auch bestens bekannt sind, als die "Ladys mit den Kaffeewärmern auf dem Kopf".
Im Freibad sind die Menschen für sich und in Gemeinschaft zugleich – vereint durch ihre Unterschiedlichkeit. Zugleich funktioniert das Freibad wie ein Seismograph: Hier zeigt sich, wie wir miteinander klarkommen. Und das klappt erstaunlich gut.
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