Eine Frau sitzt auf einer Tischtennisplatte in einem hellen Raum, lächelt in die Kamera. Um sie herum: Schläger, ein Tisch, klare Linien, reduzierte Einrichtung
Katja Thiede hat in Neustrelitz einen Ort geschaffen, an dem Menschen zusammenkommen, die sich sonst nie begegnen würden. Im Pingpong-Salon geht es um mehr als Spiel: um Nähe, Austausch – und darum, dass jemand bleibt
Norman Konrad für chrismon
Gemeinschaft in der Kleinstadt
Die wichtigste Tischtennisplatte in Neustrelitz
Jung und Alt, Einheimische und Zugezogene: Die Neustrelitzerin Katja Thiede bringt sie in einem Tischtennissalon zusammen - und verändert dadurch das Zusammenleben
Charleen Dahms
05.06.2026
7Min

Es brennt Licht am Freitagabend in der Elisabethstraße 33. Von draußen hinter den großen Schaufenstern gut sichtbar: ein paar Leute, die im Kreis rennen und angestrengt die Augenbrauen zusammenziehen. Drinnen im ehemaligen Friseursalon wird schnell klar, wieso: Tischtennis, hier wird gezockt. An der rechten Platte spielen zwei Jungs, vielleicht zehn Jahre alt. Um die linke herum laufen gleich sechs Leute. Ein Ball saust durch die Luft, erwischt jemanden fast am Hals. "He, immer auf mich!", sagt ein Mann, bückt sich, wirft den Ball zurück.

Ein paar Schritte weiter, vorbei an der Einbauküche, der Kaffeemaschine und der Keksschüssel, sitzt Katja Thiede hinten links in einem kleinen Büro, das sie mit einer Spielecke teilt. Die Möbel kommen von Kleinanzeigen und Ikea, sie wirken zu modern für das, was man in Neustrelitz sonst so sieht – fröhlich statt trist, grell statt grau. Denn in der 20.000-Einwohner-Stadt gibt es gefühlt mehr Seniorenwohnheime als Restaurants. Die AfD hat bei der Bundestagswahl die meisten Zweitstimmen geholt, die CDU ist stärkste Kraft in der Stadtvertretung.

Fragt jemand, wo Neustrelitz genau liegt, sagen die Jungen: da, wo das Immergut-Festival stattfindet. Oder: in der Nähe der Fusion. Das sind allerdings einmalige Events, hier bleibt selten jemand.

Was Sportliches musste her

Katja Thiede bringt Farbe in die Stadt. Wenn sie Briefe an die Hausverwaltung schreibt, ist Konfetti im Umschlag. Genauso bunt sind auch ihre Projekte. Thiede hat den Pingpong-Salon gegründet. Sie hat es geschafft, dass mittlerweile sogar Berlinerinnen und Berliner eineinhalb Stunden Fahrtzeit auf sich nehmen. Dass mehrmals in der Woche Menschen – die sich sonst womöglich nie begegnen würden – zusammenkommen, um zu spielen. Dass es ein Get-together an Weihnachten gab und zwei Festivals.

Angefangen hat es aber alles viel kleiner. Als 2022 viele Flüchtlinge aus der Ukraine nach Deutschland und auch in die Stadt kamen, wollten Katja Thiede und ihr Mann Christian Begegnung schaffen – und dabei Spaß haben. Was könnte besser passen als eine Aktivität, bei der es keine Sprachbarriere gibt? Eben! Was Sportliches musste her. Sie stellten zwei Tischtennisplatten vor ihr Haus. Weil so viele Menschen kamen, luden sie 2024 zum ersten Pingpong-Festival ein. Problem: zu viele Anmeldungen. "60 Leute passen nicht einfach so in unseren Garten." Es musste also was Größeres her.

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