Kirchenchor
Christin? Eher nein. Aber Choristin!
Ise Bosch singt gern im Kirchenchor. Aber gläubig ist sie nicht. Wie fühlt sich das an?
Portrait von Ise Bosch in einem Garten
Ise Bosch, Gründerin, Geschäftsführerin, Philanthropin
Lucas Wahl
Peter van Heesen
20.03.2026
4Min

Da stehe ich mit den anderen im Altarraum an der Wand, die immer noch eisig ausstrahlt, dabei ist schon fast Ostern. Beide kalten Füße fest auf dem Boden. Es dauert, sind halt viele Strophen. Ich sehe zu, dass ich die Stellen erwische, wo wir im Sopran manchmal etwas schwächeln. Ich atme tief, schicke meine Stimme hinein in das große, dunkle Kirchenschiff. Ich bilde mir ein, von ganz hinten, von der Orgelfront kommt der Schall zurück zu uns und zu den paar Leutchen, die in den Bänken sitzen und frieren. Es ist nicht perfekt, aber es ist perfekt.

Vor allem: Ich singe mit anderen zusammen. Ich höre, wie sich die Stimmen mischen, innerhalb des Soprans und mit den anderen Stimmlagen. Ich würde es vermissen, wenn an bestimmten Stellen nicht die eine oder andere Stimme herauszuhören wäre, wie immer. Miteinander sind wir der Chor. Was singe ich da? Töne. Jeder einzelne Ton wird im Kollektiv geformt, er kommt, er verhallt und erzeugt davor und danach eine besondere Stille.

Ich singe aber auch Worte. In den Texten geht’s um Sünde und Hölle, Krippe und Kreuz. Texte von Paul Gerhardt wie "Kauftest durch dein Blut uns frei" - echt jetzt? Nichts von diesen Texten "glaube" ich. Ich bin nicht religiös. Ich bin zwar so aufgewachsen wie die meisten hier, aber es gehörte für mich zum Erwachsenwerden, in Glaubensdingen eigene Wege zu gehen.

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Ob Kirchenorgel, -chor, Band oder Posaunenchöre ... alle bieten Musik, die Gottes Wort in die Welt trägt.
Gott schenkt uns die Gabe für diese emotionale Verkündigung. Da ist es egal, ob jemand (m/w/d)
an ihn glaubt oder nicht. Übrigens, ich habe durch "Stimmen" aus dem Himmel erfahren, dass in Gottes Reich zu jeder Zeit Musik zu hören ist! Also, weiter so, liebe Choristin 🦋🎶🙏