Brustkrebs
Plötzlich in der Menopause
Die Hamburger Fotografin Pia Pritzel, 38, hat Brustkrebs – und erzählt hier jeden Dienstag, wie es ihr gerade geht. Auftakt zu ihrer Bilderserie "Cancer me softly"
Pia Pritzel
Im Gartenprivat
10.03.2026
3Min

In der ersten Folge der Serie stellt sich Pia vor. Lesen Sie hier.

Alle weiteren Folgen finden Sie auf dieser Themenseite.

Als mir meine Ärztin eröffnete, dass ich - 38 Jahre jung - aufgrund meiner Diagnose hormonpositiver Brustkrebs mithilfe von Medikamenten ruckizucki in die künstliche Menopause katapultiert werden sollte, heulte ich Rotz und Wasser. Nicht, weil ich meine Periode vermissen würde oder einen weiteren Kinderwunsch hätte. Gott bewahre. Ich kann sehr gern auf das monatliche Blutbad verzichten. Sondern weil ich bis dato unglaublich viel Kraft und Zeit darin investiert habe, meinen Zyklus so in den Griff zu bekommen, sodass ich nicht mehr komplett hormongaga durch die Gegend lief. Deshalb hatte ich vor der Hormonumstellung mehr Angst als vor der Chemotherapie.

Im Gartenprivat

Pia Pritzel

Pia Pritzel, geboren 1987, ist Mutter und Fotografin aus Hamburg. Sie ist an Brustkrebs erkrankt und erzählt hier und als @pia_pritzel auf Instagram von Diagnose, Behandlung, Heilung, von Schönem und von Schrecklichem. Die meisten Fotos ihrer Serie "Cancer me softly" sind von ihr selbst gemacht, analog.

Mein hormoneller Zustand schimpft sich PMS und brachte mich tagelang vor und nach meiner Periode ÜBER den Rand des Wahnsinns. Vor meiner Periode verwandelte mich das prämenstruelle Syndrom (Ungleichgewicht aus Östrogen und Progesteron) in eine wütende Version meiner selbst, mit Hang zu starken depressiven Verstimmungen. Ich stellte alles infrage -und besonders mich selbst. Kaum war meine Periode vorbei, überrollte mich das postmenstruelle Syndrom (Östrogenanstieg) in Form von unbremsbarer Angst, die mich nachts nicht schlafen ließ. Wer rechnen kann, versteht, dass es im Monat kaum Tage gab, an denen ich mich nicht hormonell zerschossen fühlte. Und so entwickelte ich eine regelrechte Angst vor PMS.

Ich lief verzweifelt von Ärztin zu Ärztin - Gynäkologin, Hausärztin, Endokrinologe - in der Hoffnung auf Hilfe. Doch niemand schien sich so richtig mit PMS auseinanderzusetzen. Ich probierte pflanzliche Mittel aus (Mönchpfeffer, Frauenmantel), bis ich schließlich etwas fand, dass meine Symptome tatsächlich linderte.

Und nun sollten all diese Bemühungen umsonst gewesen sein? Die Krebsmedikamente drosselten die Östrogenproduktion so stark, dass meine Periode ausblieb. Stimmungsschwankungen gehören für viele Patientinnen zum Alltag.

Aber was willst du machen? Mit Krebs ist nicht zu spaßen und mir blieb eh keine Wahl Also schluckte ich die Pillen und ließ mir Spritzen geben. Ich wartete. Innerlich bibbernd. Und dann passierte: nichts. Keine Depris und Aggros vor der Periode. Keine Periode. Keine Ängste nach nicht eintretender Periode. Nichts.

Friends, ihr könnt euch vorstellen, dass ich so so glücklich war. Endlich. Endlich hatte der Hormonhorror ein Ende. (Das schmierte ich meiner Hausärztin dann noch dick und fett aufs Brot, woraufhin sie mich als eine sehr unangenehme Patientin wahrnahm und mich aus der Praxis warf).

Dass ich nicht alleine mit dem hormonellem Chaos war und bin, verdeutlichten die unzähligen Nachrichten, die mich erreichten, nachdem ich auf Social Media vom Einfluss der Antihormontherapie auf meine mentale Gesundheit berichtete. Unzählige erleben das Hormongaga ohne Ende. Monat für Monat. PMS, Perimenopause, Prämenopause, Menopause. Und keine Hilfe in Sicht.

Und jetzt was ganz Wichtiges: Das ist KEINE Werbung für die Antihormontherapie, denn believe me: Die hat genug beschissene Nebenwirkungen, die niemand gebrauchen kann (fördert Osteoporose, Hitzewellen aus der Hölle, Knochenschmerzen ohne Ende, greift die Schleimhäute an UND beschwert vielen meiner Krebskolleginnen extreme Stimmungsschwankungen).

Dies ist vielmehr der Wunsch danach, mehr Unterstützung durch das Gesundheitssystem zu erfahren.

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